Musik

Bauprojekt gefährdet Columbiahalle

Bange Zeiten für Berlins Musikfans: Nach dem Ärger um das SO36 könnte nun die Columbiahalle bedroht sein. Wieder geht es um Lärmschutz. In der Nachbarschaft der Konzerthalle ist eine Bebauung mit Wohnhäusern sowie einem Büro- und Gewerberiegel geplant. Ein Lärmgutachten soll jetzt prüfen, ob sich das Projekt mit dem Konzertbetrieb vereinbaren lässt.

Robert Karas, Geschäftsführer der Columbia Venues GmbH und Betreiber der Halle, glaubt, dass das schwierig werden könnte. Bei der Columbiahalle handelt es sich um eine alte Sporthalle, beim Columbiaclub um ein altes Kino. Beide seien zwar saniert worden, allerdings ohne Schallschutzmaßnahmen. Es gebe keine gedämmten Fassaden. Das Hauptproblem sieht Karas allerdings, sollte es eine Wohnbebauung geben, darin, dass für die Konzertproduktion immer nachts auf- und abgebaut werde. Da er nach zwölf Jahren als Betreiber den Standort zum Ende des Jahres verlässt, betrifft ihn das Problem jedoch nicht mehr. Auch im Exposé des Verkäufers wird darauf hingewiesen, dass sich im Umfeld des Grundstücks der anliegenden Kulturarena Columbiahalle Lärmbeeinträchtigungen ergeben können.

In Berlin gibt es zig Beispiele, die zeigen, dass Lärm ganz schnell zu Schwierigkeiten mit den Nachbarn führen kann. Sogar Bolzplätze wurden schon gerichtlich untersagt. Die Zitadelle Spandau ist ebenfalls ein Beispiel für jahrelangen Streit zwischen Anwohnern und Veranstaltern, der immer noch nicht ausgefochten ist. In der Waldbühne und dem Olympiastadion wurde nach Protesten von Anwohnern schon vor Jahren die Anzahl der Rockkonzerte auf maximal 18 im Jahr festgesetzt. Sogar das SO 36 in der Kreuzberger Oranienstraße, das seit 30 Jahren im Kiez verankert ist, kämpft mit Lärmschutzauflagen, weil für eine Schallschutzmauer neben dem Gebäude das Geld fehlt. Ein gewöhnlicher Nachbarschaftskonflikt um Ruhestörung - ein einziger Nachbar fühlt sich gestört - hat sich zu einer existenzbedrohenden Krise ausgeweitet.

Das könnte nun auch auf die Columbiahalle zukommen. Erworben hat vor zwei Jahren die Spielstätten am Columbiadamm 9-11 der Betreiber des Postbahnhofs, Axel Schulz. Er will die Columbiahalle ab 2010 selbst führen. Probleme mit den Bauplänen in der Nachbarschaft sieht er aber nicht: "Wir haben keine unzulässigen Lärmemissionen. Die Halle und der Club haben zudem Bestandsschutz." Es würden auch weiterhin Konzerte dort stattfinden. Die Halle will Schulz akustisch und optisch verschönern - im Einklang mit dem Denkmal- und Umweltschutz. Ansonsten geht er davon aus, dass das Bauamt nur eine neue Bebauung zulässt, die sich in das Bestehende einfügt.

Die Investorengemeinschaft möchte nördlich und östlich der Columbiahalle bauen. Die Verkaufsverhandlungen sollen in Kürze abgeschlossen sein, bestätigt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Verkauft werden sollen die Grundstücke Columbiadamm 23/29 und die Friesenstraße 15 a Ecke Schwiebusser Straße. Der Kaufpreis liegt bei 2,9 Millionen Euro. Noch befinden sich auf der rund 20 000 Quadratmeter großen Fläche Autoreparatur- und Malerwerkstätten, Schlossereien, Lackierereien sowie ein Autohandel.