Pro Streik

"Wir stecken die Belastung nicht mehr weg"

"Ich streike, weil ich der Meinung bin, dass ältere Lehrkräfte entlastet werden müssen. Die Arbeitsanforderung für Lehrer hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Aus eigener Erfahrung - ich bin 62 Jahre alt und seit 1973 im Schuldienst - kann ich sagen, dass ältere Kollegen diese Belastung nicht mehr so einfach wegstecken können.

Ich bin Klassenlehrerin einer achten Klasse mit 32 Schülern. Wenn ich nach dem Schultag nach Hause komme, bin ich total geschafft, obwohl ich eine sehr nette Klasse habe. Sämtliche Unterrichtsvorbereitungen muss ich deshalb am Wochenende machen. Sonnabends und sonntags sitze ich meist am Schreibtisch.

Hinzu kommt ein riesiger bürokratischer Aufwand. Wir müssen viele Vergleichsarbeiten schreiben und auswerten und die Schüler auf zentrale Prüfungen vorbereiten. Das alles kostet viel Zeit. Noch schwieriger haben es Lehrer an Brennpunktschulen. Neben allen inhaltlichen Anforderungen haben sie es mit Schülern zu tun, die sehr viel Zuwendung benötigen. Doch nicht nur an Brennpunktschulen muss ein Lehrer mittlerweile deutlich mehr Kraft aufwenden, um die Schüler zu erreichen. Immer mehr verbringen sehr viel Zeit vor dem Computer oder dem Fernsehapparat und sind von diesen Medien geradezu absorbiert. Sie zum Lernen zu motivieren und zum Beispiel zum Bücherlesen zu bringen, ist eine kräftezehrende Aufgabe.

Ich denke, dass Lehrer wie Piloten oder Polizisten dringend Altersermäßigungen brauchen. Nicht umsonst hat die Zahl der dauerkranken Kollegen und der mit Burn out dramatisch zugenommen."