Kommentar

Eine Aktion mit falschem Ziel

Lehrer sind stark belastet. Die Schüler sind schwieriger als früher. Eltern kümmern sich weniger. Der Leistungsdruck hat zugenommen. Die Testeritis der diversen Vergleichsarbeiten fordert viel bürokratischen Aufwand.

Die Kollegien sind überaltert. Junge Lehrkräfte werden mit Kurzzeitverträgen und niedrigen Gehältern abgespeist. Es gibt sicherlich viele Gründe, gegen die Zustände an Berlins Schulen zu protestieren.

Wenn aber heute die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Berliner Lehrer zum Streik aufruft, geht es im Kern eben um etwas anderes. Viele ältere Pädagogen wollen weniger arbeiten, weil die Belastung für sie so hoch sei.

Nun soll jeder gerne kürzer treten dürfen, der das möchte. Aber warum sollten das auch Lehrer müssen, die sich ausreichend fit fühlen für den Vollzeitjob? Und warum sollte es bei weniger Stunden vollen Lohnausgleich geben? Um Lebensunterhalt kann es nicht gehen, immerhin verdienen Lehrer so viel wie in der freien Wirtschaft leitende Angestellte. Da staunen die Beschäftigten anderer Branchen, wo Ältere zwar auch meist mehr verdienen als Jüngere, aber eben auch genauso viel arbeiten müssen. Das Ziel muss sein, den Lehrer-Job für junge Talente attraktiv zu machen - und nicht für Ältere Privilegien zu erkämpfen.