Defekt

Wieder Störfall bei der S-Bahn

Erneut hat es bei der Berliner S-Bahn einen Sicherheitsvorfall gegeben. Bereits am 25. Oktober ist es, wie erst jetzt bekannt wurde, in einem vor der Werkstatt Grünau abgestellten Triebwagen zu einer "größeren Wärmeentwicklung" gekommen. Ein Triebfahrzeugführer habe dies rechtzeitig bemerkt, so dass ein Brand verhindert werden konnte, sagte ein Bahn-Sprecher. Da der Zug leer war, habe keine Gefahr für Fahrgäste bestanden.

Von dem Zwischenfall war erneut ein Fahrzeug der S-Bahn-Baureihe BR 480 betroffen. Züge dieser Baureihe werden nicht nur wegen ihrer mit einem bekannten Siemens-Brotröster aus den 50er-Jahren identischen Bezeichnung, sondern auch wegen einer auffälligen Häufung von Brandvorfällen von Bahn-Insidern oft als "Toaster" bezeichnet. Erst am 25. Februar dieses Jahres war ein in Wannsee abgestellter Waggon dieser Baureihe nach einem Heizungsdefekt komplett ausgebrannt.

Nach Angaben der S-Bahn hat es bei der Baureihe 480 insgesamt sieben größere Störfälle mit Feuer- oder Rauchentwicklung gegeben. Dennoch wird den zwischen 1986 und 1994 von Siemens, AEG und Waggon Union erst für die West-Berliner BVG, dann für die Deutsche Reichsbahn gebauten 86 Viertelzügen eine hohe Zuverlässigkeit bescheinigt. Im Unterschied zur modernsten Baureihe 481 sind die noch in Betrieb befindlichen 70 Zwei-Wagen-Einheiten der BR 480 in der Vergangenheit nicht durch Räder-, Achs- oder Bremsprobleme aufgefallen. Allerdings: Seit dem verheerenden Brand in einem mit Fahrgästen besetzten Zug am 10. August 2004 im Anhalter Bahnhof dürfen Züge dieser Baureihe vorsichtshalber nicht mehr durch den Nord-Süd-Tunnel fahren.

Immerhin scheinen Techniker eine Ursache für die Defektanfälligkeit der Heizung in S-Bahnen der Baureihe 480 gefunden zu haben. Schuld soll demnach ein Relaisschalter sein, der in einigen Fällen den Stromkreislauf nicht wie vorgesehen unterbrach, was zur Überhitzung der Heizung geführt haben könnte. Dieser Schalter soll nun in allen Zügen der Baureihe 480 ersetzt werden. "Die Austauschaktion ist in vollem Gange und soll bis Ende Januar abgeschlossen werden", sagte ein Bahn-Sprecher.

Ungeachtet des jüngsten Vorfalls will die S-Bahn von Montag an wieder 429 ihrer insgesamt 632 Zwei-Wagen-Einheiten einsetzen. Dadurch könne der Regelfahrplan zu 95 Prozent erfüllt werden, heißt es. Jedoch haben viele Züge weiterhin weniger Wagen als normal. Die Linien S 45 und S 85 sollen erst Mitte Dezember wieder in Betrieb gehen.