Liebigstraße 14

Kampfansage von Linksextremen gegen neue Mieter

Zweieinhalb Monate liegt die von Krawallen begleitete Räumung des Hauses Liebigstraße 14 durch Gerichtsvollzieher und Polizei mittlerweile zurück. In den vergangenen Wochen schien es ruhig geworden zu sein im Kiez und in der linksextremen Szene. Doch die Ruhe erwies sich als trügerisch. Die Szene macht wieder mobil.

Im Visier haben die gewaltbereiten Extremisten diesmal allerdings nicht die staatlichen Institutionen, Banken oder die verhassten Eigentümer des geräumten Hauses. Zum Ziel kaum verhüllter Drohungen werden jetzt Mietinteressenten für die Wohnungen im Haus Nummer 14, die gerade instand gesetzt werden.

Gefälschte Wohnungsanzeigen

Schon im Juni sollen die ersten Bewohner einziehen, so jedenfalls wollen es die Eigentümer. Im Internet werden die Mietobjekte bereits seit Längerem angeboten. In einem Inserat ist von "luxussanierten Wohnungen mit revolutionärem Flair" die Rede. Diese Formulierung stammt nicht von dem Makler, wahrscheinlich handelt es sich um eine Fälschung. Teile der linksextremen Szene wollen die Neuvermietungen um jeden Preis verhindern. Auch sie nutzen intensiv das Internet - als Plattform für kaschierte, aber dennoch deutliche Drohungen oder eine, wie es in der Szene heißt, Kampfansage.

"Wir geben erst Ruhe, wenn Suitbert B. (einer der Eigentümer; die Red.) ruht, das Haus unvermietbar als Baulücke einen neuen Wagenplatz ermöglicht oder der ganze Kiez an seiner eigenen Yuppie-Sch... erstickt", hieß es in der vergangenen Woche auf der von der radikalen Szene gern genutzten Internetseite Indymedia. Und eine Gruppe namens "AntiYuppieFront" wendet sich mit einer "Grußbotschaft" direkt an Mietinteressenten: "Willkommen im größten europäischen Freizeitpark für Autonome, Hassbrenner, Reisechaoten und alle, die mal ein Baustellenschild durch eine Frontscheibe knallen wollen."

Dass es sich bei diesen "Kampfansagen" nicht nur um das übliche verbale Getöse der Szene handelt, darauf deuten weitere sehr präzise Drohungen hin. Auch durch die Ankündigung der Vermieter, im Erdgeschoss des Hauses entstehe eine Kindertagesstätte, werde man sich nicht von Aktionen abhalten lassen. Eltern müssten hier damit rechnen, morgens einen Anruf zu bekommen, dass der Kinderladen wegen plötzlich aufgetretener baulicher Mängel leider geschlossen bleiben müsse, heißt es in einem Beitrag auf Indymedia. Mit "Entglasungs- oder Verschönerungsaktionen" müsse auch jeder rechnen, der ausgeschriebene Ladenflächen anmieten wolle, wird in einem anderen Beitrag vielsagend angekündigt.

Längst meldet sich die Szene mit Drohungen und Einschüchterungsversuchen nicht mehr nur auf Indymedia und anderen bevorzugten Publikationen der Linksextremisten und Autonomen zu Wort. Auch auf den Netzwerken Facebook und Twitter überbieten sich Nutzer förmlich mit immer neuen Ideen, wie man die unerwünschten Neumieter an der Liebigstraße abschrecken könne. Inzwischen zeigen die Aktionen Wirkung. Sprachen Vertreter der mit der Vermietung des Hauses Liebigstraße 14 betrauten Maklerfirma vor einigen Wochen noch davon, die Lage vor Ort sei ruhig und entspannt, möchte inzwischen niemand mehr offiziell etwas zu dem Thema sagen. Und die im Internet veröffentlichten Mietangebote für das Haus Nummer 14 (sieben Euro Kaltmiete für Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen, 44 bis 119 Quadratmeter) sind inzwischen wieder verschwunden.

Schweigsam gibt sich in der Öffentlichkeit inzwischen auch Miteigentümer Suitbert B., dessen Vornamen die linke Szene schon zynisch in "Suizidbert" umgewandelt hat. In einschlägigen Publikationen und Internetportalen wird hämisch vermerkt, der Hauseigentümer lasse sich inzwischen an der Liebigstraße offenbar nur noch in Begleitung von Bodyguards sehen, die von den Linksextremen abschätzig als "Primaten aus brandenburgischen Fitnessstudios" bezeichnet werden. Damit, bemerkt ein bekennender Gegner des Hausbesitzers bei Facebook, verhindere dieser aber auch nicht, dass der Glaser auf der Baustelle gelegentlich Fensterscheiben auswechseln müsse.

Die linksextreme Szene gibt sich also kämpferisch und entschlossen. Wie entschlossen, obliegt der Bewertung des Staatsschutzes. Welche Erkenntnisse der hat, dazu möchte die Polizei sich im Detail nicht äußern. Man habe die Situation im Blick, bewerte sie fortlaufend und treffe "angemessene Maßnahmen", heißt es lapidar.