Interview

"Berlin hat noch viele Eisen im Feuer"

Der Berliner Halbmarathon hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Sport-Großereignis entwickelt. Jens Anker sprach mit Sportstaatssekretär Thomas Härtel (SPD) über die Bedeutung der Laufveranstaltung für Berlin.

Berliner Morgenpost: Herr Härtel, Sie haben den Startschuss für den Halbmarathon abgegeben. War auch Wehmut dabei, weil Sie nicht selber mitlaufen konnten?

Thomas Härtel: Sport ist für mich immer wieder eine mitreißende Angelegenheit. Zum Halbmarathon war ich noch etwas gehandicapt, da ich 2010 am Meniskus operiert wurde und danach nicht ausreichend trainieren konnte, um wieder selbst an den Start zu gehen. Schon Ende Juni werde ich jedoch wieder beim Teamstaffellauf über 5 mal 5 Kilometer dabei sein.

Berliner Morgenpost: Der Halbmarathon boomt. Haben Sie eine Erklärung für diesen Trend?

Thomas Härtel: Laufen ist nicht nur Vereinssport, sondern tatsächlich echter Volkssport, den auch jeder für sich flexibel, ohne großen Aufwand und zeitliche Beschränkungen ausüben kann. Gerade Berlin mit seinen vielen Grün- und Waldflächen und Wegen entlang der vielen Gewässer ist da natürlich besonders verlockend, schließlich eröffnen sich daraus vielfältigste Laufstrecken für das individuelle Training.

Berliner Morgenpost: Ist die Kapazitätsgrenze, sowohl bei den Teilnehmerzahlen als auch den Terminen, erreicht? Neben Lauf-Events finden ja auch der Velothon und die Radsternfahrten in der Innenstadt statt.

Thomas Härtel: Beim BMW Berlin Marathon haben wir das Limit der Teilnehmer inzwischen erreicht. Die Zahl von zuletzt über 71 000 Teilnehmern, darunter über 40 000 Läufer und Walker sowie über 7500 Inlineskater, spricht da eine deutliche Sprache. Generell gibt es bei den Teilnehmerzahlen noch Spielraum, bei der Zahl der Veranstaltungen dagegen stoßen wir an unsere Grenzen. Die Beliebtheit unserer Stadt als Veranstaltungsort drückt sich inzwischen dadurch aus, dass es immer schwieriger für die Veranstalter wird, einen Termin zu finden, der noch nicht an andere herausragende Veranstaltungen vergeben ist.

Berliner Morgenpost: Welche Bedeutung haben die Sport-Großereignisse für Berlin?

Thomas Härtel: Die Sportveranstaltungen sind Markenzeichen für unsere Stadt. Berlin kann sich einer immer größer werdenden Zahl von begeisterten Besuchern erfreuen, nicht zuletzt liegt dies sicher an Sportveranstaltungen wie dem Marathon, der Leichtathletik- und der Fußball-Weltmeisterschaft. Doch es sind nicht nur die Touristen, die sich am Sport in Berlin erfreuen. Zehntausende Zuschauer am Rande der Lauf- und Rennstrecken sind eindeutiges Indiz für die Sportbegeisterung, die auch den Berlinerinnen und Berlinern eigen ist.

Berliner Morgenpost: Welche anderen sportlichen Großereignisse kommen auf die Stadt zu?

Thomas Härtel: In nur wenigen Tagen startet in Berlin die Europameisterschaft im Geräteturnen, dann können wir uns in diesem Jahr noch auf die Europameisterschaft der Behinderten im Schwimmen, über die Weltligaspiele im Volleyball, den Kurzbahn-Weltcup im Schwimmen, den Weltcup im Eisschnelllauf und nicht zuletzt auf das ausverkaufte Eröffnungsspiel zur Frauen-WM freuen. Hinzu kommen Traditionsveranstaltungen wie der bereits erwähnte Berlin-Marathon, der Velothon und das Internationale Stadionfest (Istaf) im Olympiastadion, die fest im Sportkalender der Stadt verankert sind. Ganz besonders glücklich sind wir, dass die Europameisterschaft im Schwimmen in 2014 in Berlin stattfinden wird. Ich kann Ihnen versichern, dass Berlin noch viele Eisen im Feuer hat.

Berliner Morgenpost: Muss das Land Berlin die Veranstalter mehr fördern, um die Sportstadt voranzubringen?

Thomas Härtel: So, wie die Sportveranstaltungen das Image unserer Stadt prägen und Berlin somit unterstützen, so unterstützt auch Berlin die Veranstalter von Sportveranstaltungen. Hierbei richtet sich mein Dank ausdrücklich an die vielen Behörden, bei denen der Sport viel Arbeit auslöst. Dies sind neben den Bezirken die Polizei, die Berliner Feuerwehr, die Rettungsdienste und vor allem auch die Verkehrslenkung, die regelmäßig ein Auge darauf hat, dass unsere Stadt trotz der vielen Events keinen Verkehrsinfarkt erleiden muss.