Nahverkehr

BVG saniert den U-Bahnhof Mehringdamm

Der Bahnhof Mehringdamm ist zwar einer der wichtigsten, aber zurzeit auch einer der wenig ansehnlichen Haltepunkte im 146 Kilometer langen Netz der Berliner U-Bahn. Seit die BVG vor gut einem Jahr die abgehängten Deckenverkleidungen abmontieren ließ, bietet sich den Fahrgästen der triste Anblick einer fleckigen grauen Betondecke mit zahlreichen Rissen.

Rote Farbkringel markieren Stellen, an denen die Feuchtigkeit durchdringt. Der in Teilen bis zu 87 Jahre alte U-Bahnhof muss dringend saniert werden.

Die Arbeiten dafür sollten eigentlich schon 2010 erfolgen. Doch weil anderes vorrangig erledigt werden musste, beginnt die Sanierung nun erst am Montag. Bis zum 24. November will die BVG in dem Kreuzberger U-Bahnhof nicht nur die vielen Schäden in der Betonkonstruktion beseitigen lassen, sie plant vielmehr eine unfassende Sanierung, bei dem seine architektonische Gestalt aus den 20er-Jahren weitgehend wiederhergestellt wird.

Der berühmte U-Bahn-Architekt Alfred Grenander hatte damals erstmals auf der Nord-Süd-Strecke einem Bahnhof nicht die übliche kastenförmige Decke verordnet. Stattdessen bekam die am 19. April 1924 unter dem Namen "Belle-Alliance-Straße" eröffnete Station eine repräsentative Gewölbedecke, bis dahin einzigartig in der Berliner U-Bahn. Mitte der 60er-Jahre wurde die inzwischen in Mehringdamm umbenannte Station zu einem viergleisigen Umsteigebahnhof für zwei U-Bahnlinien, der heutigen U 6 und U 7, umgebaut. Dabei wurde nicht nur die gesamte Bahnhofshalle um gut 30 Meter verlängert, hinter abgehängten Deckenplatten verschwand auch das imposante Gewölbe. "Denkmalpflegerische Aspekte fanden damals nicht so die Beachtung", sagt U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher, der sich - trotz der damit verbundenen Zusatzkosten - für eine Wiederherstellung des alten Deckengewölbes stark machte. In den nächsten Monaten werden nun undichte Fugen abgedichtet und Korrosionsschäden an in der Stahlbetonkonstruktion beseitigt. Die reparierten Stellen werden anschließend durch eine Spritzbetonschale verstärkt. Parallel zur Sanierung der Stahlbetonkonstruktion im Tunnel wird der Bahnhof von oben neu abgedichtet.

Die Nutzer der U 6 und U 7 müssen sich aber während der neunmonatigen Bauzeit auf Einschränkungen einstellen. Positiv: Es wird sie nur abends und nicht an den Wochenenden und Feiertagen geben. So wird die U 6 sonntags bis donnerstags von 21.15 Uhr bis Betriebsschluss unterbrochen. Zwischen Hallesches Tor und Platz der Luftbrücke pendelt ein Zug im Zehn-Minuten-Takt. Auf der Linie U 7 wird in dieser Zeit der Verkehr zwischen Möckernbrücke und Hermannplatz eingestellt. Es fahren ersatzweise Busse, die aber keine Fahrräder mitnehmen.

Auch im U-Bahnhof Wittenbergplatz wird ab Montag gebaut. Dort werden bis zum 9. Juni tragende Stahlstützen saniert und mit einem neuen Korrosionsschutz versehen. Da ein Teil der Arbeiten direkt an der Bahnsteigkante erfolgt, wird der Zugverkehr der U 3 ebenfalls sonntags bis donnerstags ab etwa 22 Uhr zwischen Nollendorfplatz und Spichernstraße eingestellt. Zwischen Spichernstraße und Augsburger Straße fahren dann Busse.