Stadtplanung

Aus dem Flughafen Tegel soll ein Industriepark werden

Ein Jahr nach der Einberufung der ersten Standortkonferenz zur Nachnutzung des Flughafens Tegel steht jetzt fest, wie das 460 Hektar große Gelände nach Einstellung des Flugbetriebs 2011 genutzt werden soll. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sieht die Nutzungskonzeption der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rund um das Terminal-Sechseck und die Hangars eine gewerblich-industrielle Nutzung vor.

Die Flächen nördlich des Terminal-Areals bis zur zweiten Start- und Landebahn sollen als "Zukunftsraum" und Sondergebiet für spätere Nutzungen wie große Events oder großflächige Industrie ausgewiesen werden. Rundherum soll ein grünes Band entstehen.

Wohnungsbau, wie ihn noch das Planwerk Westraum des Senats aus den 90er-Jahren und auch die Zukunftsvision "TXL-Plus - Schaufenster einer Energie-Plus-Stadt" von Flughafenarchitekt Meinhard von Gerkan vorsehen, soll es nicht mehr geben. Die neue Konzeption wird der Öffentlichkeit am 9. Dezember auf einer dritten Konferenz im Amerika-Haus vorgestellt. Rainer Nagel, zuständig für die Nachnutzungsplanung in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bestätigte gestern die Planungen. So stehe die gewerblich-industrielle Nutzung im Vordergrund. Das Areal rund ums Terminal, das als Businesscenter für höherwertige industrielle Nutzung wie Umwelttechnologie vorgesehen sei, orientiere sich am Bedarf der Industrie. Zurzeit werde dieser in einer regionalwirtschaftlichen Studie ermittelt. Der zweite Bauabschnitt nördlich des Terminals sei Zukunftsstandort auch für eine mögliche gewerblich-industrielle Nutzung. Mehr als die Hälfte des gesamten Flughafengeländes soll grün bleiben oder werden und damit als Luftventilation für die Stadt dienen.

Die erarbeitete Konzeption zur Änderung des Flächennutzungsplans ist Nagel zufolge Ergebnis der im Juli gestarteten Workshops zur Ideenfindung mit sechs Architekturbüros. Die ersten Pionier-Ansiedlungen im Sinne der neuen Nutzung kann sich Rainer Nagel Anfang 2013 vorstellen.

Nagel sagte, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit seinem aktuellen Vorschlag auf der richtigen Spur sei. Dieser hatte gestern Vormittag auf der dritten Berliner Wirtschaftskonferenz zum Thema "Green Economy" angekündigt, dass Tegel zum Standort für Technologie, Kreativität und Industrie entwickelt werden soll. Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) reagierte gestern erfreut auf die Pläne Wowereits zur industriellen Nutzung Tegels. "Wir sind hoch zufrieden, dass Klaus Wowereit den Ball aufgenommen hat", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK, Christian Wiesenhütter. Wie berichtet, hatte die IHK Ende September vorgeschlagen, angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung Berlins im Zentrum der 460 Hektar großen Flughafenfläche 80 bis 100 Hektar für Industrieansiedlungen vorzusehen. Die IHK hatte den Senat zudem aufgefordert, der Gewerbeflächenpolitik mehr Gewicht als bislang beizumessen und ein industrielles Leitbild "made in Berlin" zu erarbeiten.

Auch die CDU nahm gestern für sich in Anspruch, den Regierenden Bürgermeister auf den richtigen Pfad geführt zu haben: "Wir freuen uns, dass unser im Frühjahr vorgestelltes Konzept für die Nachnutzung des Flughafens Tegel auch Herrn Wowereit zum Nachdenken angeregt hat", sagte Fraktions- und Landesvorsitzender Frank Henkel. Die CDU hatte sich für einen "Solar- und Industriepark TXXL" mit Investitionsförderungszone sowie für eine Internationale Bauausstellung für ressourceneffizienten Industriebau des 21. Jahrhunderts ausgesprochen.