Kommentar

Ein Elefant im Bärengehege

Florentine Anders

Die Berliner trauern um ein über vier Jahre liebgewonnenes Wesen. Die Welle des Mitgefühls für den unerwartet verstorbenen Eisbären Knut hat Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz geradezu überrollt. In den vergangenen zwei Wochen seit Knuts Tod hat er nicht gerade eine rühmliche Figur abgegeben.

Als übertriebene Hysterie bezeichnete der Zoo-Chef die weltweite Trauer und stieß viele Knutfreunde damit vor den Kopf. Seine persönliche Meinung ist ihm unbenommen, doch im Umgang mit der Öffentlichkeit polterte der Zoo-Chef wie ein Elefant im Bärengehege.

Während vor vier Jahren die Hysterie um das junge verspielte Eisbärenbaby dem Zoo gerade recht kam und Millioneneinnahmen sicherte, ist ihm jetzt die Aufregung um den Tod des Publikumslieblings lästig. Kein Wunder, denn natürlich musste sich der Zoo unbequeme Fragen stellen lassen. Ob etwa die Haltung im Zoo das Tier krank machte, ob Inzucht zu genetischen Krankheiten geführt haben könnte oder ob es falsch war, den jungen Bären mit den drei älteren Eisbärendamen in ein Gehege zu stecken.

Statt sich offensiv den Fragen zu stellen, bügelte der Zoo alle Fragen forsch ab. Mit dem Zurückhalten der Ergebnisse der Sektion des Eisbären wurde das Misstrauen gegenüber dem Zoo geradezu geschürt. Für fehlendes Mitgefühl kann man niemanden kritisieren, für eine mangelhafte Informationspolitik allerdings schon.

Der Zoo hat das Problem erkannt. Gestern jedenfalls verhielt sich der Zoo-Direktor zurückhaltend, die Kommunikation übernahm die kaufmännische Direktorin - offenbar, um weiteren Schaden abzuwenden