Tatverdacht

Mutmaßlicher Autobrandstifter gefasst

Nach drei erneuten Brandstiftungen gegen hochwertige Autos in Friedrichshain hat die Polizei gestern früh einen Tatverdächtigen festgenommen. Der 23-Jährige war von Zivilfahndern in Tatortnähe gefasst worden. Daraufhin durchsuchte die Polizei am Nachmittag Wohnungen in zwei besetzten Häusern an der Liebigstraße 14 und 34. Damit wollen die Beamten klären, ob der 23 Jahre alte Tobias P. als Verursacher weiterer Brandstiftungen in Betracht kommt, sagte ein Sprecher.

Verdächtiger mit Feuerzeugbenzin

Der erste der Brandanschläge in der Nacht zu Montag war gegen 2.20 Uhr von einem Passanten an der Proskauer Straße bemerkt worden. Der Zeuge rief die Polizei, die Beamten konnten das Feuer an der Frontpartie eines BMW der 5er-Reihe selbst löschen. Gleichzeitig hatte die Besatzung einer Funkstreife Flammen an einem geparkten schwarzen Audi an der Bänschstraße bemerkt. Auch hier gelang es den Beamten, das Feuer einzudämmen. Beide Brände werden jetzt dem 23-Jährigen zur Last gelegt. Die seit geraumer Zeit wegen der Anschlagsserie gegen Autos eingesetzten Zivilfahnder sollen Tobias P. in Höhe der Kreuzung Proskauer Ecke Schreinerstraße gefasst haben. Zur Sicherung von Spuren wurden seine Hände in Plastiktüten "versiegelt." Bei der Durchsuchung des Verdächtigen stellte sich heraus, dass er eine Flasche mit Feuerzeugbenzin bei sich trug.

Noch ehe die Ermittlungen des Staatsschutzes begannen, brannte an der Friedenstraße nahe des Platzes der Vereinten Nationen ein Porsche. Ein Passant hatte die Flammen bemerkt, der Sportwagen brannte trotz der Löscharbeiten aber vollständig aus. Damit sind seit Jahresanfang bereits etwa 270 Fahrzeuge bei Brandattacken beschädigt oder zerstört worden.

Nach Morgenpost-Informationen pflegt der Tatverdächtige Tobias P. intensive Kontakte zur linksextremistischen Szene. Der gebürtige Berliner, der in Hohenschönhausen zur Grundschule ging und bis 2003 die Fritz-Reuter-Oberschule besuchte, lebt seit geraumer Zeit in dem besetzten Haus Liebigstraße 14. Dort befindet sich ein sogenanntes linksalternatives Wohn- und Kulturprojekt, das von der Räumung bedroht ist.

Bei den Hausdurchsuchungen in diesem und dem direkt gegenüberliegenden Haus kamen insgesamt 140 Polizeibeamte zum Einsatz. Die Polizei sicherte Beweismittel und nahm die Personalien der wenigen anwesenden Bewohner auf. Offenbar waren weitere Hausbewohner frühzeitig vor der Razzia gewarnt worden. Teile der umliegenden Straßen waren während der Durchsuchungsaktion weiträumig abgeriegelt worden. So sperrte die Polizei für Stunden die Rigaer Straße vom Bersarinplatz bis zur Proskauer Straße für Fahrzeuge und führte Personenkontrollen durch. Auch im Bereich des Frankfurter Tors waren viele Polizeibeamte und -fahrzeuge zu sehen. Ein Grund dafür war eine in linken Internetforen für 17 Uhr angekündigte Spontandemonstration am Frankfurter Tor. Angesichts der massiven Polizeipräsenz kam es nicht dazu. Stattdessen versuchten zahlreiche Anhänger der linken Szene kurz entschlossen, mit der U-Bahnlinie U 5 zum Alexanderplatz auszuweichen. Wie aus Kreisen des Staatsschutzes zu vernehmen war, rechnen die Sicherheitsbehörden aufgrund der Festnahme und den Wohnungsdurchsuchungen für die folgende Nacht mit Gegenreaktionen der linksextremen Szene.

Bislang nur eine Verurteilung

Wie die Polizei gestern mitteilte, sei mit dem Zugriff in Friedrichshain die 16. Festnahme eines mutmaßlichen Autobrandstifters in diesem Jahr gelungen. Verurteilungen von mutmaßlichen Brandstiftern blieben indes bisher die Ausnahme. Lediglich gegen den 34 Jahre alten Polen Grzegorz S. hatte ein Richter am Mittwoch vergangener Woche eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten ausgesprochen. Der Mann hatte an der Grünberger Straße in Wedding einen VW Golf und einen Citroen angezündet. Das Urteil ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht rechtskräftig. Bei S., der wegen Diebstahls vorbestraft ist, waren keine Hinweise auf eine politische Tatmotivation erkennbar. Auch konnten keine Verbindungen zu Linksextremen nachgewiesen werden. Allem Anschein nach handelte S. eher aus Lust an der Zerstörung.

Zuvor waren die Anklagen gegen Alexandra R. und Christoph T. in erster Instanz mangels Beweisen gescheitert. Gegen vier weitere Verdächtige wurde laut Staatsanwaltschaft bislang keine Anklage erhoben.