Personalbestand

Jeder Zweite bei der Polizei ist älter als 45

Der Berliner Polizei könnten in personeller Hinsicht schwierige Zeiten bevorstehen. Grund sind nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Überalterung des Personalbestandes und die zu geringe Nachrekrutierung junger Polizisten.

Von 21 875 Mitarbeitern sind laut GdP gerade einmal 37 unter 25 Jahre alt. Die Zahl der über 45-Jährigen beträgt dagegen etwa 10 850. Bislang reiche die Zahl der Neuverpflichtungen nicht aus, um die Abgänge der kommenden Jahre zu kompensieren.

"Im Juni dieses Jahres hat der Senat die Zahlen erarbeitet und bekannt gegeben, sie sind aktuell", so Berlins GdP-Chef Eberhard Schönberg. Die meisten der etwa 10 850 über 45-jährigen Polizisten würden in spätestens 15 Jahren nicht mehr der Polizei angehören. Um den jetzigen Personalstand zu halten - er entspricht übrigens dem einstigen Stand West-Berlins vor dem Mauerfall - müssten ab 2010 für die nächsten zwölf Jahre jährlich mindestens 900 Polizisten eingestellt werden. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren deshalb, weil in 15 Jahren die Zahl der Abgänge durch vollwertige Ordnungshüter ersetzt sein muss und die Ausbildung drei Jahre dauert.

Polizeipräsident Dieter Glietsch kontert: "Einen Haushaltsgesetzgeber, der im Hinblick auf die vorhersehbare demografische Entwicklung Einstellungen auf Vorrat gestattet, habe ich bisher nicht kennen gelernt." Sein Sprecher Frank Millert sagte zudem, "dass eine seriöse Planung für Einstellungen nur für maximal drei bis vier Jahre möglich ist. Wir rekrutieren, was wir in der nahen Zukunft brauchen."

Laut GdP sind diese Planungen nicht ausreichend durchdacht. Demnach wurden in diesem Jahr 514 Neueinstellungen genehmigt, für das kommende seien 604 geplant, für das Frühjahr 2011 bislang 288. "Mir ist das unverständlich. In den Personalakten steht sehr deutlich, wann ein Mitarbeiter aus dem Dienst scheidet. Man hätte also planen können. Stattdessen wurde erst im Jahr 2008 bemerkt, wie ernst die Lage ist, 348 neue Polizisten sollen zusätzlich verpflichtet werden. Damit einher ging ein Ausbildungschaos mit zu wenigen Ausbildern und Räumlichkeiten. Das erinnert an das Management einer Currywurstbude."

Millert hält dagegen, die GdP rechne zwar bei den 10 850 Kollegen zwischen 45 und über 60 Jahren korrekt, verschweige bei den Neueinstellungen aber, "dass es sich dabei nur um Vollzugsbeamte, also echte Polizisten handelt". Unerwähnt bleibe, dass außerdem Personal für Verwaltung und Zentralen Objektschutz eingestellt wird.

Laut Schönberg ist das aber eine Falschrechnung: "Die Verwaltungsmitarbeiter werden nach der Ausbildung nicht übernommen und sind so nur wenige Jahre in der Behörde. Und für den Objektschutz werden jährlich nur 60 bis 80 Mitarbeiter verpflichtet."

Bei den Neueinstellungen gehe es nach Angaben eines Polizeiführers aus der Direktion 5 (Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln) lediglich darum, das jetzige Niveau zu halten. "Wir sind heute bereits an der Belastungsgrenze. In unserem Zuständigkeitsbereich fehlen von Hause aus 90 Beamte, obwohl der Polizeipräsident schon soviel Personal wie möglich in die Abschnitte schickt. Zudem kommen etwa 80 Kollegen, die wegen Krankheit nur beschränkt einsetzbar sind, also beispielsweise keinen Nachdienst übernehmen dürfen."

Eine Momentaufnahme eines Polizeiabschnittes aus dem Westteil, erstellt im vergangenen August, macht das Ausmaß der Personalknappheit nach Meinung von Eberhard Schönberg besonders deutlich. "Die Dienstgruppe dort besteht aus 35 Beamtinnen und Beamten. Davon waren zu diesem Zeitpunkt zehn Kollegen krank, acht im Urlaub, zwei hatten Elternzeit, zwei waren nur eingeschränkt dienstfähig. Von den restlichen 13 ist zudem einer schwerbehindert, ein weiterer arbeitet nur Teilzeit. Der jüngste der übrigen elf ist 29 Jahre alt, der älteste 58." Es sei Augenwischerei, dem Bürger angesichts dieser Tatsachen mitteilen zu wollen, dass die Sicherheit der Stadt gewährleistet sei und Ressourcen bereitstünden, um auch noch linksextreme Brandstifter fangen zu können. "Dafür muss Personal auf der Straße sein, unauffällig und ausreichend. Das geht hier nicht mehr", so Schönberg.