Kostenexplosion

Lärmschutz verteuert Straßenbau deutlich

Es sind kaum 150 Meter. Ein kleiner Durchstich, um Kreuzberg besser als bisher an Mitte anzubinden und die aus Mauerzeiten stammende Verkehrsbarriere zur Leipziger Straße zu öffnen. Vier Millionen Euro, so hatten die Planer des Senats einst kalkuliert, würden benötigt, um die Axel-Springer-Straße am Spittelmarkt an die große Ost-West-Verbindung anzuschließen.

Doch jetzt steigen die Kosten erheblich. Offenbar hatte niemand bedacht, welchen Aufwand die paar Straßenmeter für den Lärmschutz bei den Anliegern bedeuten würden. Jedenfalls wird das Projekt jetzt mit 11,45 Millionen Euro kalkuliert.

Zur Sitzung des Hauptausschusses am Freitag weist die sogenannte "Baumittelliste" weitere Bauvorhaben aus, die nach überarbeiteter Planung deutlich teurer werden als zunächst angenommen. Die Abgeordneten sollen zustimmen, dass diese Steigerungen in den Haushalt eingepreist werden.

Hotel im Schatten der Hochhäuser

An der Axel-Springer-Straße haben die Planer das Bedürfnis der Anlieger nach Lärmschutz unterschätzt. Dabei war klar, dass statt der bislang 12 600 Autos am Tag dann fast 40 000 Fahrzeuge die neue Verbindung nutzen werden. Lange trennte hier der Flachbau einer Bekleidungskette Mitte von Kreuzberg. Jetzt wird im Schatten der Hochhäuser ein Hotel gebaut. Wenn das fertig ist, wird die Straße angelegt. Im Planfeststellungsverfahren konnten unter anderem Umweltverbände und Bewohner des Hochhauses Leipziger Straße 48 und 49 der Stadt wichtige Zugeständnisse beim Lärmschutz abringen.

So müssen, wie es in der Senatsunterlage heißt, 6205 Fenster in 500 Wohn- und Gewerbeeinheiten mit Schallschutz ausgestattet werden. Weil es 8000 Quadratmeter Balkonflächen gebe, die an einer Hauptverkehrsachse weniger nutzbar seien als zuvor, hätten viele Anwohner Anspruch auf "Außenwohnbereichsentschädigung", heißt es im Bericht.

Aber nicht nur an der Axel-Springer-Straße haben die Planer bei ihren ersten Kalkulationen die Komplexität der Aufgabe unterschätzt. Der Umbau der Invalidenstraße in Mitte zwischen Nordbahnhof und Heidestraße wird nach dem Planfeststellungsbeschluss 13,5 Millionen Euro anstatt der erwarteten 8,6 Millionen nur für die Straße kosten. Hinzu kommen weitere Millionen für die Verlängerung der Tram-Gleise zum Hauptbahnhof.

Stahlpreise schlagen zu Buche

Auch entlang der Invalidenstraße muss die Stadt 2,1 Millionen Euro für Schallschutz ausgeben. Zwei alte Kanäle unter der Straße sind abzureißen, das kostet zwei weitere Millionen. Und die Planungskosten sind um 1,2 Millionen Euro höher ausgefallen als vor Jahren kalkuliert. 2003 gingen die Senatsplaner noch davon aus, dass man die Straße einfach nur erneuern könnte. Aber seit Beginn der Überlegungen 2001 mussten die Pläne für die 2,1 Kilometer lange, enge Trasse mehrfach geändert werden. Herausgekommen ist planungsrechtlich ein Neubau der Straße, bei dem die Einwendungen der vielen Anlieger zu beachten sind. Nun soll der Bau im nächsten Jahr beginnen.

Deutlich teurer als zunächst angenommen fällt auch der Bau einer neuen Brücke über die Spree aus, die im Zuge der Süd-Ost-Verbindung die Stadtteile Niederschöneweide und Oberschöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick verbinden soll. 48,8 Millionen Euro müssen die Brückenbauer nun veranschlagen, die zu 90 Prozent aus Wirtschaftsförderungs-Subventionen kommen sollen. Das sind 12,8 Millionen Euro mehr als erwartet. "Die Mehrkosten sind darauf zurückzuführen, dass bei der Aufstellung der Bauplanungsunterlagen Preise - insbesondere beim Stahlbau - zugrunde gelegt wurden, die heute nicht mehr auskömmlich sind", schreibt Bau-Staatssekretärin Hella Dunger-Löper den Abgeordneten. Die Hälfte des Preisanstieges entfällt auf den Stahlpreis. Außerdem stellten die Planer beim genaueren Hinsehen fest, dass die Brücke am sumpfigen Spree-Ufer tiefer gegründet werden muss als zunächst gedacht. Und sie schlugen pauschal 20 Prozent auf alle sonstigen Bauleistungen auf.