Justiz

Foto-Beweis: Kurras droht weitere Anzeige

Dem pensionierten Polizisten und langjährigen Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras droht neuer Ärger mit der Justiz. Grund sind die Pressefotos, die den 81-Jährigen nach seiner Verurteilung wegen illegalen Waffenbesitzes bei einer unerwarteten Beschäftigung zeigen: Er radelte am Sonnabend mit seinem Fahrrad zu einer Kneipe in seinem Spandauer Kiez (wir berichteten).

Am Freitagvormittag in der Gerichtsverhandlung hatte er Richterin Barbara Odenthal und den zahlreichen Zuhörern im Amtsgericht Tiergarten noch ein Bild des gesundheitlichen Jammers geboten: Eine Pflegerin schob ihn im Rollstuhl zum Gerichtssaal. Kurras hielt einen Krückstock fest umklammert. Über seinen Strafverteidiger hatte Kurras im Gerichtssaal zu Protokoll gegeben, dass er sich nach einem Sturz habe operieren lassen müssen. Sprechen, Hören und Sehen falle ihm schwer, auch das Erinnern.

Dem Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni, einem Zusammenschluss von DDR-Regimegegnern, platzte am Sonntag der Kragen. Diese "Show" eines Agenten der DDR-Staatssicherheit sei unerträglich, schimpfte Carl-Wolfgang Holzapfel. "Hier wird der Rechtsstaat in einem skandalösen Maß durch jene missbraucht, die Hunderttausenden einst die geringsten Menschenrechte vorenthalten haben." Holzapfel, der im April 1966 in Ost-Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, kündigte eine weitere Strafanzeige gegen Kurras an. Er hoffe, dass dies Einfluss auf eine mögliche Untersuchung von dessen Verhandlungsfähigkeit für noch ausstehende Verfahren haben könnte.

Das Amtsgericht Tiergarten hatte den 81-Jährigen am Freitag zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Kurras erschoss 1967 an der Deutschen Oper den Studenten Benno Ohnesorg und trug damit zur Radikalisierung der Studentenbewegung bei. Erst Ende Mai 2009 war Kurras als Stasi-Spion enttarnt worden. Er hatte Ost-Berlin lange Jahre mit Informationen aus der West-Berliner Polizeibehörde versorgt. Seither prüfen die Strafverfolger, ob er wegen Landesverrats angeklagt wird und ob die Tötung Ohnesorgs vor Gericht neu aufgerollt werden muss. Auf die Anklagebank käme Kurras nur, wenn er verhandlungsfähig ist.