Sozialpolitik

Beratungsstelle für Problemkiez Okerstraße

Eineinhalb Jahre nach der viel beachteten Rotterdam-Reise von Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) nimmt die geplante Task Force in Berlin-Neukölln Gestalt an. Anfang November haben Quartiersmanager eine Anlaufstelle an der Okerstraße im Problemkiez um die Schillerpromenade errichtet, wie das Bezirksamt Neukölln am Freitag mitteilte.

Am Dienstag sollen Anwohner bei einer Versammlung in der Genezarethkirche über das Projekt informiert werden.

In der neuen Anlaufstelle leisten Sozialarbeiter und Streetworker klassische Familienhilfe, wie es hieß. Beraten werden sie von der "AG Task Force Okerstraße", in der Verwaltung, Polizei und Quartiersmanager in bislang einmaliger Form an einem Tisch sitzen.

In dem Viertel östlich des Tempelhofer Flughafengeländes häufen sich laut Strategiekonzept der Task Force "Problemhäuser" mit auffälligen Familien, Trinker auf der Schillerpromenade lösten zunehmend Konflikte aus, ebenso "unbeaufsichtige, teilweise verwahrloste Kinder und Jugendliche". Die Wohnverhältnisse in einigen Häusern seien nicht akzeptabel.

Mit dem Projekt soll das nachbarschaftliche Miteinander im Bezirk verbessert werden. Zunächst gehe es darum, eine Anlaufstelle zu bieten, hieß es. Das Konzept sieht aber "auch in konkreten Einzelfällen intervenierende Maßnahmen der Verwaltung" vor. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatte nach seiner Rotterdam-Reise angekündigt, in Neukölln nach dem Vorbild der niederländischen Stadt aktiv gegen sozialen Abstieg und Armut vorzugehen. Er sprach sich auch für unangekündigte Hausbesuche durch Mitarbeiter der Behörden aus; so weit ist es in Neukölln aber noch nicht.

Die Task Force soll aktiv werden, wo sich Verwahrlosung, Kriminalisierung oder Gettoisierung entwickeln oder auch überhaupt erst abzeichnen. Sie soll dabei mehrere Dienststellen koordinieren, darunter Jugendamt, Gesundheitsamt, Bauaufsicht, Schulwesen und die Polizei. Geplant sind außerdem eine Vernetzung der zuständigen Ämter und ein Austausch von Daten. Dazu sind jedoch noch Abstimmungen hinsichtlich des Datenschutzes erforderlich.

Im September hatte sich deshalb Bürgermeister Buschkowsky mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix getroffen und das Projekt vorgestellt. Für die Task Force in Neukölln gibt es Vorbilder. Vernetztes Arbeiten von Behörden ist Buschkowsky zufolge in vielen europäischen Städten Standard, zum Beispiel in Glasgow, London, Oslo, Tilburg oder auch Rotterdam.