"Französische Straße"

Historischer U-Bahnhof bleibt erhalten

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen den U-Bahnhof Französische Straße nun doch nicht abreißen lassen. Die Station an der Linie U 6 unter der Friedrichstraße in Mitte soll zwar nach dem bis 2017 geplanten Weiterbau der "Kanzler-U-Bahn" weiterhin stillgelegt, aber nicht endgültig beseitigt werden, stellte gestern Ralf Baumann, Bereichsleiter Infrastruktur der BVG, klar.

Noch am Mittwoch hieß es aus der BVG-Pressestelle, dass die Station nach Fertigstellung des nur 110 Meter entfernt liegenden Kreuzungsbahnhofs für die Linien U 5/U 6 (U-Bahnhof Unter den Linden) verkehrlich nicht mehr benötigt und daher abgerissen wird. Diese Aussage findet sich auch in der November-Ausgabe des BVG-Kundenmagazins "Plus" wieder.

Station steht unter Denkmalschutz

"Die Züge werden künftig zwar durchfahren, einen Abriss des Bahnhofs Französische Straße kann es aber aus mehreren Gründen nicht geben", sagt nun BVG-Bauchef Baumann. Die Station stehe unter Denkmalschutz und werde als Notausstieg benötigt. Auch für Wartungsarbeiten im U-Bahn-Netz sei der Zugang über die Französische Straße weiterhin vonnöten.

Die nicht mehr benötigten Bahnsteige sollen aber kein Geisterbahnhof wie in der Zeit der Teilung der Stadt werden. Weil der Bahnhof im Ostteil Berlins lag, waren die U-Bahnen der BVG (West) von 1961 bis 1990 nur durchgerauscht. Die BVG will nun gemeinsam mit den Anrainern ein Nutzungskonzept erarbeiten. "Dazu wird es auch weitere Gespräche mit den Galeries Lafayette geben", so Baumann.

Das französische Nobelkaufhaus hatte mit großer Verärgerung auf die Schließungsabsicht der BVG reagiert - ein Bahnhofsausgang liegt unmittelbar vor dem Haupteingang des Warenhauses.

Bei der BVG wird nun überlegt, ob der Bahnhof als Passage erhalten bleibt. Aus Sicherheitsgründen soll es aber in jedem Fall eine Absperrung zu den Gleisen geben.

Auch die Hoffnung der Interessengemeinschaft Händler der Friedrichstraße, dass in dem zentral gelegenen Bahnhof auch weiterhin Züge stoppen, scheint nicht ganz unrealistisch zu sein. "Wenn der Aufgabenträger, also das Land, dort einen Halt bestellt, werden die U-Bahn-Züge dort auch halten", heißt es bei der BVG. Auch Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb hält den Kampf um den Erhalt der Station nicht für aussichtslos. "Die Investoren vom Potsdamer Platz haben es doch vorgemacht", sagt er. Auf deren massiven Druck hin sei der U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park an der Linie U 2 offengehalten worden. "Die Station Potsdamer Platz beginnt ja fast da, wo Mendelssohn-Bartholdy-Park aufhört", sagt Wieseke. Auch anderswo in der Stadt legen U-Bahnhöfe dicht beieinander. Der Abstand zwischen den Stationen Mohrenstraße und Stadtmitte an der U 2 betrage kaum 200 Meter.

Verkehrschaos befürchtet

Unabhängig, wie seine künftige Nutzung aussieht: Mindestens ein Jahr lang werden im Bahnhof Französische Straße auf keinen Fall U-Bahn-Züge halten. Voraussichtlich das gesamte Jahr 2012 über wird der Zugverkehr auf der Linie U 6 zwischen Friedrichstraße und Stadtmitte unterbrochen. Mit der vorübergehenden Stilllegung der Strecke soll die Sicherheit der Bauarbeiten für die U 5 gewährleistet werden. So werden sich unter der Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden die Trassen für die neue U-Bahn und die U 6 kreuzen. Der Stollen muss daher unter dem bestehenden Tunnel gebohrt werden. "Wir arbeiten hier voll im Grundwasser. Die Erfahrungen von Köln haben gezeigt, dass besondere Baumaßnahmen nötig sind", sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Die Nutzer der U 6 sollen während der Bauzeit in Busse umsteigen. Sie müssen dann mit einer längeren Fahrzeit rechnen. Besonders eng könnte es werden, wenn gleichzeitig der S-Bahn-Verkehr im Nord-Süd-Tunnel eingeschränkt werden muss. Sorge bereitet den Anliegern zudem ein Bauvorhaben, das Senatsbaudirektorin Regula Lüscher angekündigt hat: "Wenn in diesen Zeitraum auch noch die Neugestaltung des Gendarmenmarktes fällt, können wir ganz Mitte gleich dichtmachen", befürchtet Rainer Boldt von der IG Friedrichstraße.