Verkehr

S-Bahn-Krise beschert BVG neue Stammkunden

Das seit Monaten anhaltende Chaos bei der S-Bahn hat den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) Tausende neue Stammkunden beschert. Allein seit Anfang Oktober konnte das landeseigene Verkehrsunternehmen mehr als 8000 zusätzliche Monatskarten-Inhaber gewinnen.

Auch beim Einzelverkauf von Jahreskarten, so BVG-Marketingdirektor Wilfried Kramer, gibt es "zweistellige Umsatzzuwächse" im Vergleich zum Vorjahr.

Mit derzeit 257 000 Abonnenten verfügt die BVG inzwischen über so viele Stammkunden wie noch nie. Bis Jahresende will das Unternehmen gar die neue Rekordmarke von 265 000 Abonnenten erreichen. Zum Vergleich: Ende 2008 hatte die BVG erst 223 000 Abo-Verträge.

Zum Verkaufserfolg hat die jüngste Werbekampagne "Zwölf Monate fahren - neun Monate zahlen" maßgeblich beigetragen. Dabei versprach die BVG allen, die bis zum 10. November ein Abonnement abschließen, einen zusätzlichen Preisvorteil "ab 55 Euro". Möglich wird dieser Zusatzrabatt gegenüber den üblichen Abo-Vorteilen durch die Entschädigungsregelung, mit der sich die S-Bahn für Zugausfälle und Verspätungen entschuldigen will. Danach bekommen alle Abonnenten, egal ob sie bei der S-Bahn oder einem anderen Unternehmen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg ihren Vertrag abgeschlossen haben, im Dezember eine Monatsrate erstattet. Von dieser Vergünstigung profitieren auch all diejenigen, die sich erst jetzt zum Abschluss eines Abos entschließen.

Auch die S-Bahn selbst wirbt mit diesem Kostenvorteil um neue Kunden. Allerdings muss sie diesen auch aus der eigenen Kasse bezahlen. Mindestens 25 Millionen Euro lässt sich die Bahn die Entschädigung der Stammkunden kosten. Das Angebot werde "gut angenommen", sagt ein Bahn-Sprecher. Zahlen wollte er "wegen noch ausstehender Rückläufe aus den Verkaufsstellen" aber noch nicht nennen. Allerdings muss die S-Bahn wegen der massiven Einschränkungen im Zugverkehr seit Monaten massive Einbußen im Fahrkartenverkauf verkraften. Konkrete Angaben macht die Bahn-Tochter auch dazu nicht. Zu hören ist von Verlusten von bis zu einem Drittel der zuvor üblichen Ticketeinnahmen.

Trotz des Terminablaufs für einen Abo-Beginn im Dezember können auch Spätentschlossene noch in den Genuss des Freifahrtmonats kommen. "Wer sich bis Monatsende entschließt, erhält eine Startkarte und kann so noch von dem Preisvorteil profitieren", sagt BVG-Marketingchef Kramer. Wer per Einmalzahlung eine Jahreskarte kaufen will, dem wird sogar noch in den ersten Dezembertagen ein Zwölftel des Kaufpreises wieder erstattet. In dieser Zeit erhalten auch alle Kunden mit bestehenden Abonnements eine Monatsrate auf ihr Konto zurücküberwiesen.