Bildung

Sanierung der Rütli-Schule abgeschlossen

Auf dem Weg zu einem neuen Bildungscampus rund um die Neuköllner Rütli-Schule ist ein großes Etappenziel erreicht: An der Gemeinschaftsschule wurden gestern fünf naturwissenschaftliche Fachräume, eine Bibliothek mit angeschlossenem Elternzentrum und eine Jobberatung eröffnet.

Schirmherrin des Campus-Projekts ist Christina Rau, die Frau des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD). "Die Sanierung des 100 Jahre alten Schulgebäudes ist damit bis auf ein paar Kleinigkeiten abgeschlossen", sagt Schulleiterin Cordula Heckmann.

Die Rütli-Schule, an der 90 Prozent der 400 Schüler einen Migrationshintergrund haben, war vor drei Jahren in die Schlagzeilen geraten. Die Lehrer konnten aufgrund von Lehrermangel und der Aggressivität vieler Schüler nicht mehr unterrichten und forderten in einem Brief die Auflösung der Schule. Doch statt geschlossen zu werden, wird die Schule jetzt zu einem Campus mit Kita, Grundschule, Spielplätzen und Jugendklub ausgebaut.

Schulleiterin Cordula Heckmann präsentierte gestern sichtlich erfreut die Erfolge des Wandels. Die Naturwissenschaften haben einen eigenen Bereich im Gebäude. Auf dem Gang stehen neue, dunkelrote Materialschränke für Bunsenbrenner und andere Utensilien. Die Fachräume sind variabel für den Physik-, Chemie- und Biologieunterricht einsetzbar. Das Besondere ist, dass Elektrik, Gas und Wasser von oben aus der Decke kommen. "Dadurch ist die Tischanordnung flexibel", sagt die Schulleiterin. Sowohl Frontalunterricht als auch Gruppenarbeit seien möglich. Insgesamt 730 000 Euro flossen aus dem Schulsanierungsprogramm in die Modernisierung der Räume.

Für die Bibliothek und das Elternzentrum wurde die ehemalige Hausmeisterwohnung umgebaut. In den Regalen steht Sach- und Unterhaltungsliteratur. Die Schüler können dort Referate vorbereiten, aber auch ihre Freizeit bei einem Comic verbringen. Noch gibt es viele Lücken in den Regalen, Bücherspenden sind willkommen.

Das Elternfrühstück, das einmal im Monat stattfindet, hat jetzt auch einen festen Platz im Elternzentrum gefunden. Jetzt können die Mütter sogar in der angrenzenden Küche kochen. Neu ist auch der

"Job.Room" - ein Beratungsraum, in dem sich die Schüler über ihre Abschlüsse und die berufliche Laufbahn informieren können. Es gibt aber auch Hilfe bei Praktika und Bewerbungsunterlagen.

"Das Projekt Campus Rütli hat die Konzeptions- und Denkphase endgültig überschritten und nimmt Stück für Stück fassbare Gestalt an", sagt Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) auf der Eröffnungsfeier. Der Campus sei keine Idee mehr, sondern Realität und werde in den kommenden vier Jahren vollendet.

Erst kürzlich konnte die neue Mensa übergeben werden. 600 000 Euro flossen in den Speisesaal, der auch als Veranstaltungsraum nutzbar ist. Die nächste große Etappe wird der Bau der neuen Quartierhalle auf dem etwa 40 000 Quadratmeter großen Campus-Gelände an der Rütlistraße sein. "Der Baubeginn ist 2010 geplant", sagt Schulstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD). Allein 4,9 Millionen Euro fließen in die Halle, die für Sport und Veranstaltungen geeignet sein wird. 2011 soll sie fertig sein. "Der Zug nimmt deutlich Fahrt auf", sagt Schimmang über das Rütli-Projekt. Es sei die Antwort auf die Bildungsferne im Quartier, die durchbrochen werden müsse.