BVG

U-Bahnhof soll abgerissen werden

Der Weiterbau der U-Bahn-Linie 5 entlang dem Boulevard Unter den Linden ist nicht nur wegen seiner enormen Kosten und der parallel verlaufenden S-Bahn-Linien auf der Stadtbahn höchst umstritten. Im Zuge des Ausbaus wird auch einer der bekanntesten historischen Bahnhöfe Berlins auf der Strecke bleiben.

"Quasi als Kollateralschaden", wie der Vorstand des Berliner Fahrgastverbandes Igeb, Jens Wieseke, sagte, soll der U-Bahnhof Französische Straße nicht nur ersatzlos gestrichen, sondern abgerissen werden. Das bestätigte BVG-Sprecher Klaus Wazlak gestern auf Anfrage dieser Zeitung.

Mit Sorge erfüllt die Anlieger der Friedrichstraße neben den zu erwartenden langjährigen Bauarbeiten für das 433 Millionen Euro teure Prestigeprojekt der Verlust des "Stadtdenkmals, das an dieser Stelle auch als markantes Erkennungsmerkmal fungiert", wie es Rainer Boldt von der IG Friedrichstraße formuliert. Die IG hat bereits Anfang des Jahres Einwendungen im Namen ihrer 90 Mitglieder gegen das geänderte Planfeststellungsverfahren gesammelt. "Wir halten die Schließung des Bahnhofs für nicht hinnehmbar", sagt Boldt.

Die BVG begründet das Aus für die Station damit, dass "der alte Bahnhof überflüssig wird, wenn wir nur 110 Meter weiter den Kreuzungsbahnhof Unter den Linden bauen", so Wazlak. Während der Fahrgastverband den alten Bahnhof wenigstens "als historische Passage" retten will, ist der Abriss offenbar schon beschlossene Sache. "Wir planen keinen neuen Geisterbahnhof", so der BVG Sprecher in Anspielung auf die Geschichte. Der U-Bahnhof an der Linie 6, die im West-Berlin startete und auch endete, war von 1961 bis 1990 einer der Bahnhöfe auf Ost-Berliner Seite, die der Zug ohne Halt passieren musste. Erst im Jahr 1990 war die frisch sanierte Station wieder geöffnet worden.

Besonders betroffen von der beabsichtigten Schließung des U-Bahnhofs sind die Galeries Lafayette - nicht nur, weil das französische Kaufhaus bislang die Station direkt vor dem Portal hatte, sondern auch, weil der Name "Französische Straße" den Kunden den Weg wies. Die Franzosen sind auch verschnupft, weil die BVG nicht von sich aus über die beabsichtigte Schließung des U-Bahnhofs informierte, sondern erst, als Lafayette-Europa-Chef Thierry Prévost um ein Gespräch mit der BVG-Geschäftsleitung sprach.

Entschädigung gefordert

"Wir betrachten die bevorstehende Schließung als katastrophal für das Geschäft", sagt Lafayette-Sprecherin Laurence Rüß. Statt vor der Tür liege die nächste Station dann 150 Meter weiter. Seitens der BVG gebe es zudem keinen Vorschlag, wie dem Unternehmen der fehlende Umsatz kompensiert werden solle.

Nicht nur die Galeries Lafayette, auch die anderen Anlieger hoffen jetzt auf den Erfolg ihrer Widersprüche: Zehn Monate nach Abschluss der Eingabefristen ist das Planfeststellungsverfahren noch immer nicht abgeschlossen. "Die Stellungnahme der BVG zu den Einsprüchen der Anwohner liegt uns noch nicht vor", begründet Petra Rohland, Sprecherin von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, den Verzug. "Die Verhandlungen mit den Anwohnern und deren Anwälten sind noch nicht abgeschlossen", bestätigt der BVG-Sprecher. Dabei geht es vor allem um erhebliche Schadenersatzansprüche, die die Hausbesitzer, Geschäftsleute sowie die zahlreichen Hotelbetreiber im Umfeld geltend gemacht haben, wenn vor ihren Türen eine Großbaustelle entsteht. Die Entschädigungszahlungen sind laut Wazlak in den Baukosten bereits mit eingerechnet. In welcher Höhe, will der BVG-Sprecher nicht verraten.

Wenn alles läuft wie geplant, wird die Friedrichstraße in diesem Abschnitt von Sommer 2011 an für anderthalb Jahre für den Pkw-Verkehr gesperrt. Doch die Anlieger sind misstrauisch. "Der Bau der Station Brandenburger Tor am Pariser Platz hat sechs Jahre gedauert - und damit doppelt so lange wie geplant", erinnert Boldt. Die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation wird noch durch den Umstand erschwert, dass die BVG plant, die U 6 zwischen den Stationen Stadtmitte und Friedrichstraße für ein Jahr stillzulegen. "Damit wird 2012 dann die ganze Stadtmitte lahmgelegt", befürchtet Boldt.