Bildung

Bischof Huber distanziert sich von ProReli

Berlins scheidender Bischof Wolfgang Huber hat Fehler beim Volksentscheid für die Stärkung des Religionsunterrichts in den Schulen eingestanden. Huber distanzierte sich vor allem von der Bürgerinitiative ProReli, attackierte aber erneut den Senat.

Die Initiative ProReli des CDU-Politikers und Rechtsanwalts Christoph Lehmann hatte den Wahlspruch "26. April - Tag der Freiheit" propagiert. "Ich will mich gar nicht in einer falschen Weise distanzieren. Aber die Parole war eine Parole der Initiative ProReli, nicht eine Parole der Kirchen. Diese Parole hat viele Menschen abgeschreckt bis in die Gemeinden hinein." Huber gab auch zu: "Auch mir selbst sind in dieser Debatte nicht alle Formulierungen gelungen." Beim Volksentscheid über die Stärkung des Religionsunterrichts hatte sich eine deutlich Mehrheit gegen das Anliegen der Kirchen und der Bürgerinitiative ausgesprochen.

Er persönlich habe die Polarisierung beim Übergang vom Volksbegehren zum Volksentscheid unterschätzt. Es habe sich eine Dynamik entwickelt, bei der es nicht mehr um Argumente, sondern nur noch um das Pro und Kontra gegangen sei. "Ich habe auch nicht damit gerechnet, mit welcher Intensität der Senat und das Abgeordnetenhaus gegen diese Bürgerinitiative Front machen, also selbst Partei ergreifen würden. Dies hat mich dazu genötigt, gegenzuhalten", sagte Huber.

Unterdessen muss sich die evangelische Kirche mit den Konsequenzen des vor drei Jahren eingeführten Pflichtfachs Ethik auseinandersetzen. Auf ihrer heute beginnenden Herbsttagung berät die Synode darüber, ob sie sich aus Kostengründen vom flächendeckenden Religionsunterricht verabschiedet und das Fach nur noch an ausgewählten Schulen in Berlin konzentriert anbietet. Seit Ethik als Pflichtfach auf dem Stundenplan steht, haben sich 3500 Schüler weniger zum Religionsunterricht angemeldet. Das Land übernimmt aber nur 90 Prozent der Kosten, wenn Lerngruppen von zwölf Schülern zusammenkommen. Sind die Gruppen kleiner, fällt der Zuschuss geringer aus. Daher sollen Gruppen zusammengelegt werden.

Außerdem überlegt die Kirchenleitung, weitere Kooperationen mit dem Fach Ethik einzugehen. An 60 Schulen der Stadt funktioniert das bereits.