Versorgung

Wochenlanges Warten auf Immunisierung

Die Zahl der bisher an der sogenannten Schweinegrippe Erkrankten ist in Deutschland auf mehr als 40 200 Fälle gestiegen. Dem Robert-Koch-Institut in Berlin wurden in der vergangenen Woche mit über 7800 Neuerkrankungen im Vergleich zur letzten Erhebung mehr als doppelt so viele neue Fälle gemeldet. Elf Menschen sind bisher an der Infektion mit dem H1N1-Virus gestorben.

Die Bundesregierung hat am Montag versucht, Sorgen wegen mangelnder Schweinegrippe-Impfstoffmengen zu zerstreuen. "Es war klar, dass der Stoff nicht in einer 50-Millionen-Dosis plötzlich da ist", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. "Es war immer klar, dass es zu Wartezeiten kommen würde. Das ist ganz normal." In einigen Regionen Deutschlands war der Impfstoff in den vergangenen Tagen bereits ausgegangen. Viele Menschen müssen wochenlang auf einen gewünschten Impftermin warten.

In einer Telefonkonferenz beriet Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit seinen Länderkollegen gestern die Lage. Angesichts der in vielen Regionen schleppend anlaufenden Massenimpfung lud Rösler die Landesminister für morgen nach Berlin ein. Erörtert werden soll, was gegen Schwachstellen in der Versorgung getan werden kann.

Wie in Berlin so gab es auch in anderen Bundesländern Probleme. Der Impfstoff zur Immunisierung von Risikogruppen soll in Brandenburg nach Angaben des Gesundheitsministeriums in den nächsten Tagen in Apotheken zur Verfügung stehen. Das Land hat 1,5 Millionen Dosen Impfstoff geordert.

Chronisch Kranke, Diabetiker, HIV-Infizierte und Menschen mit Fettleibigkeit könnten dann auf Wunsch geimpft werden. Das Ministerium rät, mit dem jeweiligen Hausarzt vorher einen Impftermin zu vereinbaren. Die Kassenärztliche Vereinigung hat im Internet ( www.kvbb.de ) eine Liste der impfenden Praxen veröffentlicht.

In Thüringen, wo nun auch in den Arztpraxen gegen die Schweinegrippe geimpft wird, übersteige die Nachfrage der Ärzte nach Impfstoff die derzeitigen Lieferkapazitäten, teilte die Landesapothekerkammer gestern in Erfurt mit. "So wie die Impfdosen reinkommen, gehen sie wieder raus", sagte Präsident Ronald Schreiber. Die rund 500 Apotheken begannen am Montag mit der Auslieferung. Die Praxen hätten teils bis zu 100 Impfdosen geordert. Landesweit haben sich 1400 Mediziner bereit erklärt, die Bevölkerung zu impfen. Auf der Internetseite der Landesregierung sind 900 Impfpraxen aufgelistet.

Ratlosigkeit bei Schwangeren

Für die Arztpraxen stehen laut Gesundheitsministerium zunächst rund 75 000 Impfdosen zur Verfügung. Nicht jede Praxis bot aber gestern bereits Impfungen an. Das Medizinische Versorgungszentrum am Universitätsklinikum Jena will spätestens ab Mitte der Woche impfen und dafür feste Termine anbieten. Die Skepsis der Patienten sei noch relativ hoch. Auch in Erfurt richten verschiedene Praxen feste Impftage ein.

Die Sachsen können sich seit gestern ebenfalls gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Sozialministerin Christine Clauß (CDU) rief die Bürger auf, sich gegen das H1N1-Virus immunisieren zu lassen. Bislang hatten die Möglichkeit zur Impfung nur Polizisten, Feuerwehrleute und Gesundheitspersonal. Im Freistaat sind aktuell mehrere Hundert Menschen an Schweinegrippe erkrankt.

Für die Auslieferung eines neuen Impfstoffs für Schwangere gibt es noch keinen Termin. Die Ständige Impfkommission empfiehlt für Schwangere einen Impfstoff, der nur Virenteile und keine Wirkstoffverstärker enthält. Solch ein Impfstoff ist in Deutschland bisher nicht erhältlich.