Ablehnung

Schulreform: Bezirksamt bremst Eltern

Eltern in dem bürgerlichen Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Südwesten der Stadt kämpfen darum, eine Gemeinschaftsschule zu bekommen. Bisher hat sich das rot-rote Reformprojekt vor allem in den östlichen Bezirken durchgesetzt. Hier gibt es keine Berührungsängste mit einer Schule für alle, von der ersten bis zur zehnten Klasse. Insgesamt gibt es bereits 14 Gemeinschaftsschulen, allerdings keine einzige davon in Steglitz-Zehlendorf.

Eine Elterninitiative der Grundschule Am Rohrgarten hat nun einen Antrag gestellt, zum kommenden Schuljahr mit dem Pilotversuch starten zu können. Von der Senatsbildungsverwaltung gibt es keine Einwände. Doch in Teilen der schwarz-grünen Bezirksverwaltung, insbesondere der CDU, gibt es nach Angaben der Eltern ideologische Vorbehalte gegen die sogenannte Einheitsschule. Heute stimmt das Bezirksamt darüber ab, ob das Projekt starten darf. Mit einer Mail-Kampagne haben die Eltern noch in letzter Minute versucht, die Verwaltung von ihrem "deutschlandweit einzigartigen" Vorhaben zu überzeugen.

"Kinder sollen zusammenbleiben"

Die neue Gemeinschaftsschule soll die in der Grundschule begonnene Montessori-Pädagogik bis zum Abitur fortsetzen. "Wir wollen, dass unsere Kinder nicht nach der sechsten Klasse getrennt werden und dass auch in der Oberstufe das Konzept unserer Schule weitergeführt wird", sagt Elternvertreterin Manuela Weininger-Kühn. Eine weiterführende Schule haben die Eltern für das Projekt sogar schon gewonnen. Die Montessori-Grundschule will ausgerechnet mit einer Hauptschule zusammengehen. "Selbst in der Bildungsverwaltung wollte man zuerst nicht recht glauben, dass die Eltern da tatsächlich mitgehen würden", sagt die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Burkhardt. Schließlich seien 80 Prozent der etwa 400 Grundschüler aus Akademikerfamilien, die für ihre Kinder das Abitur anstreben.

Doch bei der Partnerschule handelt es sich nicht um irgendeine Hauptschule. Die Nikolaus-August-Otto-Schule macht seit Jahren Schlagzeilen mit ihren innovativen Konzepten. Während andere Hauptschulen als Restschulen gemieden werden, gibt es hier sogar immer wieder mehr Anmeldungen als Plätze. Viele Ansätze decken sich mit denen der Montessori-Pädagogik, auch wenn sie an der Nikolaus-August-Otto-Schule nie so genannt wurden. Die Oberschüler lernen in projektorientierten Lernwerkstätten, und es gibt sogar jahrgangsübergreifende Gruppen, in denen ältere Jugendliche gemeinsam mit Jüngeren lernen. Im Sekundarbereich haben die Lehrer damit Neuland betreten. Bekannt geworden ist die Schule mit ihren verpflichtenden Elternkursen, die von den Müttern und Vätern der pubertierenden Kinder dankbar angenommen werden.

"Wir hatten die Schulleiterin der Nikolaus-August-Otto-Schule zu einem Studientag zum Thema Elternarbeit eingeladen und gemerkt, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt", sagt Ulrike Burkhardt. Es folgten Hospitationen der Lehrer an der jeweils anderen Schule. Die Grundschüler nahmen an einem Projekttag an der Oberschule teil. Schließlich haben sich beide Schulkonferenzen für die Gemeinschaftsschule ausgesprochen. Die Hauptschule soll künftig bis zum Abitur führen. Unwägbar ist nur die nötige Mehrheit im Bezirksamt.

Bittbriefe der Eltern

"Als Elternvertreter möchte ich Ihnen deshalb mit großem Nachdruck versichern, dass dieses Projekt auch und insbesondere von den Eltern der Schulen selbst dringend gewünscht und gefördert wird. Wir sehen darin eine der wenigen, wenn nicht die einzige Möglichkeit, unseren Kindern die in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich aufgebaute Montessori-Pädagogik der Rohrgartenschule auch in der Sekundarstufe anbieten zu können", schreibt der Vater Markus Deckert in einer E-Mail an die Bildungsverwaltung. "Ich bitte Sie daher herzlich, dieses innovative Projekt, welches meiner Meinung nach eine deutliche Bereicherung des schulischen Angebots unseres Bezirks darstellen wird, nicht gegen den Willen der Elternschaft scheitern zu lassen", heißt es in dem Brief der Mutter Gargi Sen.

"Jetzt muss der schwarz-grün regierte Bezirk zeigen, ob ihm das Wohl und der Willen der Schüler, Eltern und Lehrer am Herzen liegt, oder ob das Vorhaben an parteipolitischen Widerständen scheitert", sagt Steffen Zillich, bildungspolitischer Sprecher der Linken.