Fluggesellschaften

Ex-Geschäftsführer der Germania wegen Untreue vor Gericht

Die Karriere des Betriebswirtschaftlers Olaf M. bei der Germania Fluggesellschaft dauerte nur zwei Jahre und vier Monate. Am 1. April 2006 hatte er seinen Job als Vorsitzender der Geschäftsleitung begonnen. Am 1. Juli 2008 wurde ihm fristlos gekündigt; verbunden mit der Ankündigung einer Strafanzeige.

Seit Mittwoch muss sich der 51-Jährige in Moabit vor einem erweiterten Schöffengericht wegen Untreue verantworten. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Gesamtschaden auf mehr als eine Million Euro. Neben Olaf M. haben drei mutmaßliche Mittäter auf der Anklagebank Platz genommen. Eine Journalistin und zwei Unternehmer. Sie sollen Olaf M. bei seinen Untreuehandlungen geholfen und dabei selber reichlich kassiert haben. In einem Fall geht es um ein Kommunikationskonzept, das die Journalistin für die Germania Fluggesellschaft erarbeitet haben soll. Dieses Schriftstück enthält dem Anklagesatz zufolge "lediglich Allgemeinplätze und Ergebnisse, die für die Germania Fluggesellschaft keinen zum Preis adäquaten wirtschaftlichen Wert darstellen". Der Geschäftsführer soll aber dennoch die in Rechnung gestellten 22 500 Euro ausgezahlt haben.

Ein Mittäter packt aus

Begonnen hatte diese Anfang 1993. Olaf M. war zu dieser Zeit noch bei der Berliner Commerzbank angestellt und dort auch zuständig für die Betreuung von Metall- und Schrotthändlern. Zu dieser Gilde zählte Rainer G. Es habe sich im Laufe der Zeit ein gewisses Vertrauensverhältnis entwickelt, beschreibt er vor Gericht sein Verhältnis zu Olaf M. Der Banker habe quasi wie ein Mentor über ihn gewacht, habe ihm beim Erstellen eines Businessplanes geholfen und für ihn telefonisch sogar mit anderen Banken verhandelt. Rainer G. war trotz dieser Unterstützung aber nie so richtig erfolgreich. Obwohl er am Ende gleich drei Firmen führte, zwei Metallhandlungen und einen Cateringservice. Er habe sich bei Olaf M. sogar Geld leihen müssen, sagt er. Drei Mal - jedes Mal waren es 5000 Euro. Bei einem dieser Treffen habe ihn Olaf M. angesprochen und ihm seinen Plan offeriert: Rainer G. sollte fingierte Rechnungen an die Germania Fluggesellschaft ausstellen. Das Geld würde ihm dann überwiesen. Er sollte es sofort wieder abheben und Olaf M. in bar übergeben. Genau so soll es dann auch geschehen sein. Allerdings in weitaus größerem Umfang, als es Rainer G. vermutet haben will.

Beute ungleich geteilt

Zwischen Januar und März 2008 waren es sechs Rechnungen mit einer Gesamtsumme von knapp 190 000 Euro brutto. Mal ging es um vermeintliche Schrottentsorgung, mal um ein Konzept für Catering an Flughäfen. Olaf M. habe ihm die Texte für diese Rechnungen per E-Mail vorgegeben, sagt Rainer G. Die Nettosummen - Steuern wurden abgezogen und ordnungsgemäß verbucht - seien dann aufgeteilt worden. Er habe in der Regel aber nur ein Drittel bekommen.

Olaf M. soll die mithilfe von Rainer G. durchgeführten Veruntreuungen bei der Polizei schon eingeräumt haben. Er habe aber einem Großteil davon schon zurückgezahlt, sagt sein Verteidiger Hansgeorg Birkhoff. Die anderen Anklagepunkte würden von seinem Mandanten jedoch bestritten. Es sei schon richtig, dass Geld geflossen sei, so Birkhoff. Es habe sich dabei jedoch nicht um fingierte Rechnungen gehandelt.

Die Staatsanwältin ist jedoch sicher, die Vorwürfe vor Gericht auch mit Fakten und Zahlen belegen zu können. Das ist in Prozessen um Untreue nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts inzwischen Bedingung. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.