Tarifkonflikt

Gewerkschaften drohen der Charité mit weiteren Streiks

Die Tarifverhandlungen zwischen der Charité und den Gewerkschaften Ver.di und dbb sind vorerst gescheitert. Nach einem ganztägigen Warnstreik am Dienstag hatte die Arbeitgeberseite ein Angebot gemacht, das die Gewerkschaften ablehnten.

Konkret schlug die Charité vor, einen Vertrag mit einer Laufzeit bis Ende 2017 abzuschließen. In jährlichen Angleichungsschritten von zwei Prozent soll bis Ende der Laufzeit die dann gültige Tariftabelle des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst erreicht werden. Das Angebot wurde unter dem Vorbehalt unterbreitet, dass die Erhöhung gestoppt werden solle, wenn es der Charité wirtschaftlich schlecht gehe.

"Der Arbeitgeber war nicht in der Lage, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen", sagte Ver.di-Sprecher Andreas Splanemann. Die Gewerkschaft kritisiert, dass erst im letzten Schritt, also im Jahr 2017, die Lücke des derzeitigen Lohnrückstands geschlossen wird, die andere Arbeitgeber schon längst zahlen. So sei beim Krankenhauskonzern Vivantes vereinbart, dass die Angleichung bis Anfang 2014 vollzogen werde, hieß es. Ver.di wies darauf hin, dass die Charité-Beschäftigten rund 14 Prozent weniger verdienten als Kollegen anderer Krankenhäuser.

Die Forderungen treffen die Charité in einer äußerst schwierigen Wirtschaftslage. Das Uniklinikum hat sich verpflichtet, in diesem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben, 2010 lag der Verlust bei 17,7 Millionen Euro. Jüngst wurde die gesamte Führungsetage dazu aufgerufen, auf fünf Prozent des Gehalts zu verzichten. Im Februar überwies die Charité seinen Mitarbeitern erstmals das Gehalt zwei Wochen später. Zu dem Warnstreik am Dienstag waren rund 10 000 Charité-Mitarbeiter zum Protest aufgerufen, sie machten mit Trillerpfeifen und Straßenblockaden ihrer Wut Luft. Mehrere Hundert Mitarbeiter legten die Arbeit von sechs Uhr in der Früh bis sechs Uhr abends nieder, darunter Krankenschwestern, Reinigungskräfte, Diätassistentinnen, Techniker sowie das Wachpersonal. An der Charité konnten während dieser Zeit nur Notfälle versorgt werden. Chirurgische Eingriffe wurden verschoben, OP- und Röntgensäle blieben leer. Laut Carsten Becker, dem Gesamtpersonalrat der Charité, hat das Uniklinikum eine Million Euro pro Streiktag eingeplant.

Krankenschwestern der Charité sagten am Dienstag, dass sie im Schnitt 300 Euro weniger verdienten als anderswo. Teilweise würden auf dem Markt Abfangprämien in Höhe von 2000 Euro für gutes Personal, vor allem für gute Pflegekräfte, bezahlt, weil diese schwer zu kriegen seien. Besonders frustriert zeigten sich die Angestellten der CFM, der Tochterfirma der Charité, die 2006 gegründet wurde, um Kosten zu sparen. Dort werden außertarifliche Löhne gezahlt, die zum Teil unter dem Mindestlohn liegen.

Am Montag wird die Tarifkommission das Angebot der Arbeitgeberseite bewerten. "Ich befürchte, dass der Konflikt eskaliert", sagte Splanemann. Ver.di droht mit einem unbefristeten Erzwingungsstreik, bis ein akzeptables Angebot vorliege. Grundsätzlich gehe es nicht nur um Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen. "Mit Freizeitausgleich oder mehr Urlaubstagen kann man auch viel erreichen", sagte er.