Denkmalstreit

Barockfassade des Jagdschlosses wird nicht wiederhergestellt

Im Denkmalstreit um die Fassade auf der Gartenseite des Jagdschlosses Glienicke in Wannsee haben die Befürworter der barocken Rekonstruktion eine Niederlage erlitten.

Der Kulturausschuss stimmte am Montag mehrheitlich gegen den Antrag der CDU. Diese hatte vorgeschlagen, die Chance der aktuell laufenden Sanierungsarbeiten zu nutzen, um die Fassade ohne zusätzlichen Kostenaufwand originalgetreu wieder aufzubauen.

Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Uwe Lehmann-Brauns, reagierte enttäuscht auf die Ablehnung seines Antrags durch die Koalition und die FDP-Fraktion im Kulturausschuss, das Jagdschloss von dem maroden 60er-Jahre-Glaserker zu befreien: "Der durch Max Taut brutal in die barocke Fassade getriebene Eingang könnte in der laufenden Restaurierung ohne Kosten entfernt werden. Die Fraktionen hätten ihre Verweigerung mit dem Hinweis begründet, bei der Schlossrekonstruktion handele es sich um "Geschmacksdiktatur".

Der geladene Landesdenkmalpfleger habe es zudem nicht einmal für nötig erachtet, selbst vor dem Ausschuss zu erscheinen. Die untere Denkmalschutzbehörde dagegen befürwortete die Rekonstruktion. Lehmann-Brauns hofft jetzt auf Unterstützung aus dem Senat. Das Votum des obersten Landeskonservators Jörg Haspel, der sich vorab zugunsten der 60er-Jahre-Fassade ausgesprochen hatte, könnte von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als oberster Denkmalschutzbehörde überstimmt werden. "Ich fordere den Senat auf, sich für die Wiederherstellung der barocken Fassade einzusetzen", so der CDU-Politiker. Hintergrund des Denkmalstreits ist die derzeit laufende Schloss-Sanierung. Nach einem Brand im Jahr 2003 musste der Südflügel des Gebäudes neu aufgebaut werden. Auch das Schlossinnere wurde komplett entkernt. Im April soll das Haus wieder an das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg gegeben werden. Die mit dem Umbau beauftragte Architektin Christina Petersen hatte bereits vor einem Jahr nachgewiesen, dass die Rekonstruktion mit klassischer Schlossfassade und großer Freitreppe mit rund 154 000 Euro nahezu genauso teuer ist wie die Glaserker-Sanierung.

( ij )