Wirtschaftsplan

Charité will mit Sparkurs in die schwarzen Zahlen steuern

Die Charité, Europas größtes Universitätsklinikum, verschärft ihren Sparkurs, um in diesem Jahr erstmals keinen Verlust zu erwirtschaften. "Kein Defizit in 2011 - das ist ein sehr, sehr ehrgeiziges Ziel", sagte Vorstandschef Karl Max Einhäupl am Freitag. Geplant sei unter anderem auch die Streichung von mehreren Hundert Stellen, so Finanzchef Matthias Scheller.

Mit dem verschärften Sparkurs kehrt das Unternehmen zu seinen eigenen Zielen zurück. Noch im November sah es so aus, als würde die Charité anders als geplant auch 2011 einen Verlust von bis zu 20 Millionen Euro hinnehmen. Daran hatte sich ein langwieriger Streit zwischen Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) und Einhäupl entzündet, der nunmehr beigelegt scheint.

Der Aufsichtsrat unter Führung von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) verabschiedete am Freitag den Wirtschaftsplan für 2011 und nahm den vorläufigen Jahresabschluss für das vergangene Jahr zur Kenntnis. Demnach hat die Charité das Jahr 2010 mit einem Verlust von 17,7 Millionen Euro abgeschlossen, knapp 2,1 Millionen Euro weniger als zuvor erwartet. "Damit haben wir unsere Ziele zum zweiten Mal in Folge übertroffen", sagte Einhäupl. Die Gesamterträge beliefen sich auf knapp über eine Milliarde Euro. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 300 Stellen abgebaut. Senator Zöllner stellte sich ausdrücklich hinter die Führung der Universitätsmedizin und lobte, der Vorstand beweise erneut, dass er für das Land auch in wirtschaftlichen Fragen ein verlässlicher Partner sei.

Um in diesem Jahr die Schwarze Null zu erreichen, muss die Charité zwischen 60 und 70 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr einsparen. Grund sind Tarifsteigerungen für Ärzte und das Pflegepersonal, aber auch niedrigere Einnahmen durch die Gesundheitsreform. Zugleich kämpft die Charité nach wie vor mit hohen Kosten für den Unterhalt ihrer teils baufälligen Kliniken, die nach Angaben des Unternehmens maßgeblich für die Verluste in den vergangenen Jahren waren.

Eine schnelle Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht. Die überfällige Sanierung des Bettenhochhauses in Mitte, die Ende nächsten Jahres beginnen soll, wird stattdessen mit hohen Einnahmeverlusten einhergehen. Denn zeitgleich mit den Bauarbeiten ist die Charité nach dem Berliner Krankenhausplan gezwungen, im nächsten Jahr knapp 200 Betten abzubauen. Bis 2015 sind es insgesamt sogar 500 Betten. "Wir sehen es sehr kritisch, dass wir ausgerechnet in der Sanierungsphase dazu gezwungen werden, Betten abzubauen - während in anderen Kliniken aufgebaut werden kann", sagte Einhäupl. Die Charité verfügt über 3213 Betten.

Ab Ende 2012 soll das Bettenhochhaus in Mitte während der Bauphase freigeräumt werden. Die Patienten werden in einem Ersatzbau in Mitte und an anderen Charité-Standorten untergebracht. Bis 2016 soll das Haus dann saniert sein. Insgesamt investiert das Land 330 Millionen Euro in die Charité-Sanierung. Das entspricht nach früheren Schätzungen etwa einem Drittel des gesamten Sanierungsbedarfs des Klinikums. Allein 185 Millionen davon sollen für die Sanierung des Bettenturms in Mitte verwandt werden.

Um auch in der Sanierungsphase keine Verluste anzuhäufen, schließt der Vorstand für die Zukunft die Schließung von unrentablen Klinikstandorten nicht aus. "Wir können nicht nur einmal im Jahr 2011 ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen, sondern das gilt auch für die Folgejahre", sagte Scheller. Details wollte er nicht nennen. Überdies versucht das Klinikum, mehr Einnahmen zu erzielen, indem die Verteilung der Betten rentabler gestaltet wird - Stationen mit höherer Nachfrage bekommen größere Kapazitäten.

Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen, mehrere Millionen Euro durch die begonnene Zusammenarbeit mit dem ebenfalls landeseigenen Klinikkonzern Vivantes einzusparen. Dabei geht es derzeit vor allem um das gemeinsame Labor und den Einkauf medizinischer Geräte. Künftig sollen beide Klinik-Konzerne ihre Angebote in teuren Medizin-Zweigen aufeinander abstimmen. Die Gespräche dazu seien erst am Anfang. Eine "Team 2011" genannte Task-Force soll die Einsparungen überwachen.

Scheller rechnet überdies damit, dass "deutlich mehr als 200 Stellen" in diesem Jahr gestrichen werden müssen. Da die Charité keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen darf, bedeutet das, dass freiwerdende Stellen nicht besetzt werden. Die Charité beschäftigt derzeit etwa 13 000 Mitarbeiter.