Neues Verkehrskonzept

Breitere Gehwege und Straßenbahn für die Turmstraße

Der erste Blick beim Verlassen der U-Bahn an der Turmstraße fällt auf Spielhallen, Wettbüros, Obststände und Dönerbuden. An den zahlreichen Imbissbuden drängeln sich zum Feierabend viele Menschen, Autos und Busse brausen auf zwei Spuren vorbei. In den Seitenstraßen gibt es Spielstraßen, die Autos parken dennoch wild durcheinander.

Der Moabiter Kiez ähnelt einem vernachlässigten Stiefkind und hat dringenden Nachholbedarf. Das soll jetzt geschehen. Am Dienstagabend informierten Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) und das "Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement" über die Pläne für die Turmstraße und das angrenzende Gebiet. Seit gut anderthalb Jahren werden sie diskutiert. Der Gemeindesaal in der Kirche an der Ottostraße 16 war gut gefüllt, das Interesse der Anwohner groß.

Wie bei der Steglitzer Schloßstraße soll sich der motorisierte Verkehr künftig je Richtung eine Fahrspur teilen. Radfahrer erhalten einen Streifen auf der Fahrbahn. Die noch vorhandenen Radwege auf den Bürgersteigen werden den Fußgängern zugutekommen. Perspektivisch soll sogar die Straßenbahn wieder in der Turmstraße fahren. Nach Auskunft von Horst Wohlfarth von Alm, der in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für "Grundsatzangelegenheiten der Stadtplanung" zuständig ist, ist eine Machbarkeitsstudie für die erste Strecke vom Alexanderplatz zum Kulturforum bereits in Arbeit gegeben, danach werde die Turmstraße untersucht. "Eventuell kann mit der Studie schon Ende des Jahres begonnen werden", so der Gruppenleiter.

Anwohner hätten gern Tempo 30

Hoffnung allerdings, dass in der gesamten Turmstraße Tempo 30 angeordnet werden könnte, machte er Anwohnern, die das begrüßen würden, nicht: "Momentan gibt es viele Klagen gegen Tempo 30, deshalb brauchen wir in Hauptverkehrsstraßen gute Gründe dafür. Es ist auch die Frage, ob wir Busse oder eine Straßenbahn verlangsamen." Die Berliner Linie, 50 Stundenkilometer auf Hauptverkehrsstraßen und Tempo 30 auf den restlichen Straßen anzuordnen, solle beibehalten werden. Nur vor dem Rathaus, wo viele Fußgänger unterwegs sind, ist geplant, Tempo 30 einzurichten. Etliche Anwohner befürchten dennoch eine Verdrängung des Verkehrs in die Wohngebiete, sobald nur noch eine Spur zur Verfügung steht. Doch nach Auskunft der Verkehrsexperten wird die Leistungsfähigkeit der Turmstraße auch bei einer Spur gewährleistet sein.

200 Autos pro 1000 Bewohner

Nach einer Zählung aus dem Jahre 2009 benutzen pro Tag 18 000 Kraftfahrzeuge diese Straße, über Alt-Moabit fahren 21 000. Der Senat rechnet mit einem weiteren Rückgang des Verkehrs, schon wegen einer zunehmend älter werdenden Generation. In Berlin, so berichtete Baustadtrat Gothe, seien deutschlandweit ohnehin die wenigstens Autos pro Einwohner unterwegs. Moabit liege mit 200 Autos pro 1000 Einwohner unter dem Durchschnitt, Zehlendorf mit 400 darüber. Allerdings werden nach Angaben der Verkehrsplaner auch etwa 50 Prozent der Parkplätze durch den Umbau wegfallen. Anwohnern, die sich eine Parkraumbewirtschaftung wünschen, machte Gothe Hoffnung. In dieser Legislatur werde es zu keiner Ausweitung mehr kommen. Doch er denkt, dass es "kurz nach der nächsten Wahl zu einer Abfrage kommt. Das neue Bezirksamt wird sich nicht verschließen, dies auch für Moabit zu prüfen". Aus der Luisenstadt und der Friedrich-Wilhelm-Stadt habe er bereits Zustimmung für neue Parkzonen signalisiert bekommen.

Gehwegverbreiterungen, neue Mittelinseln, Radabstellanlagen, Busbeschleunigungen, Lade- und Lieferzonen - in den kommenden Jahren sollen acht Millionen Euro in die Turmstraße und das angrenzende Gebiet nördlich und südlich von Alt-Moabit investiert werden. 2012 soll der Umbau beginnen. Sorgen von Anwohnern, sie könnten zur Kasse gebeten werden, zerstreute Andreas Wilke vom Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement. Da geplant sei, dass das Areal rund um die Turmstraße Sanierungsgebiet wird, würden keine Straßenausbaubeitragskosten anfallen.

Große Unzufriedenheit gibt es jedoch noch in der Thusnelda-Allee. Sie soll mit einem Stadtplatz verschönert werden, allerdings sollen die Busse TXL und 245 nach den bisherigen Plänen dort weiter verkehren. Zum Unmut von Anwohnern.