Bildung

Schulen melden weniger Gewaltvorfälle

Die Schulen melden weniger Gewaltvorfälle. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Gewaltbericht der Bildungsverwaltung wurden im Schuljahr 2009/2010 insgesamt 1576 Gewaltfälle registriert. Das ist ein Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Dunkelziffer dürfte allerdings wesentlich höher sein. Nachdem im vergangenen Schuljahr die Zahl der Gewaltvorfälle um 13 Prozent gestiegen war, hatte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Meldepflicht für Schulen gelockert. Bei Beleidigungen, Prügeleien und Sachbeschädigungen sollten die Schulleiter im Rahmen einer "Entbürokratisierung" künftig selbst entscheiden, ob sie die Fälle an die Senatsverwaltung melden oder nicht. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Schulen meldete gar keine Vorfälle. Nur 40 Prozent der Einrichtungen haben überhaupt über Gewalt berichtet. Schlägereien und Körperverletzungen machen dabei 41 Prozent der Fälle aus. In 25 Prozent der Meldungen geht es um Beleidigungen, Bedrohungen machen einen Anteil von 15 Prozent aus. Mobbing wurde von den rund 700 Berliner Schulen nur 78 Mal angekreuzt.

Am transparentesten gehen Gesamtschulen mit dem Thema Gewalt um. Sie haben durchschnittlich vier Fälle pro Schule und Schuljahr gemeldet, gefolgt von Sonderschulen und Hauptschulen mit drei Meldungen. An Grundschulen gab es laut Statistik im vergangenen Jahr durchschnittlich ein bis zwei Vorfälle. Gymnasien, Realschulen und Oberstufenzentren melden die wenigsten Gewalttaten. Laut Bericht gibt es hier maximal einen Fall pro Schuljahr und Schule.

Insgesamt richtete sich die Gewalt in 19 Prozent der Meldungen gegen Lehrer oder anderes Schulpersonal. 69 Prozent der Konflikte wurden unter den Schülern ausgetragen. In die restlichen Fälle waren unter anderen schulfremde Personen verwickelt.

Die meisten Meldungen kamen wie in den vergangenen Jahren aus den Bezirken Mitte und Neukölln. Schon an dritter Stelle steht der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die wenigsten Gewalttaten wurden von den Schulen in Tempelhof-Schöneberg an die Bildungsverwaltung weitergegeben.

Bildungssenator Jürgen Zöllner gesteht ein, dass die Statistik keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Situation an den Schulen zulasse. "Meldezahlen können immer nur bedingt aussagekräftig über die tatsächlichen Gewaltvorfälle an Schulen sein", sagt Zöllner. Das vorliegende Ergebnis erlaube daher nur begrenzt eine optimistische Bewertung. Wichtig sei, dass alle Lehrkräfte offensiv mit der Thematik umgehen und sich bewusst sind, dass eine Meldung keine Stigmatisierung der Schulen mit sich bringt, sondern konkrete Hilfe, betont der Bildungssenator.

Die Hilfestellung sei durch die Notfallpläne gegeben. Darin ist beispielsweise die Zusammenarbeit mit Jugendämtern oder mit der Polizei geregelt. Zudem können die Schulen gleichzeitig mit der Meldung bei der Bildungsverwaltung schulpsychologische Hilfe anfordern.