Otto Schily

Wenn Politiker sich beim Schach messen

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Katrin Lange

Die Schachuhren klickten schon seit einer Stunde, während Politiker und Diplomaten tief über die Spielbretter gebeugt ihre Damen verloren und Bauern opferten, da kam er doch noch: Otto Schily (SPD), ehemaliger Bundesinnenminister und Stammgast beim Politiker-Schachturnier. Für sein Spiel war es aber zu spät.

Ein wichtiges Treffen hätte sich länger hingezogen, entschuldigte er sein Zuspätkommen. Er ließ es sich aber nicht nehmen, mit dem Ehrenpräsidenten des Schachverbandes, Alfred Seppelt, zwei Runden zu spielen. Schily verlor beide Spiele und hielt daraufhin seine Verspätung für eine glückliche Fügung: "Ich bin offenbar nicht in Form."

Zum 20. Mal fand gestern das Politiker-Schachturnier vom Berliner Schachverband statt. Austragungsort war das Hotel Maritim an der Stauffenbergstraße. 56 Teilnehmer jeglicher politischer Couleur kämpften diesmal nach einer einfachen Farbenlehre - schwarz gegen weiß -, aber nicht weniger verbissen. "Ich will den Gegner immer besiegen, egal welcher Partei", sagte Potsdams Ex-Innenminister Rainer Speer (SPD). Allzu gut lief es nicht, nach drei Partien hatte er erst eine gewonnen. Auch der Berliner SPD-Fraktionschef Michael Müller musste sich gegen Katrin Werner, die für die Linken im Bundestag sitzt, geschlagen geben. Ihm fehlten der Partner und die Zeit zum Spielen, begründete Müller die Niederlage. Sein Sohn sei im Schachverein, aber in der 9. Klasse zu sehr mit der Schule beschäftigt.

Der ehemalige Bürgerrechtler und heutige Afrikabeauftragte der Bundesregierung Günter Nooke (CDU) hatte immerhin schon zwei von vier absolvierten Runden gewonnen. "Eine davon gegen einen SPD-Politiker", sagte er. Auf eine Erfolgsserie von drei gewonnen Spielen konnte Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) verweisen. "Einmal nur Schach spielen und nicht über Flugrouten diskutieren - das entspannt", sagte er in der Spielpause. Zum endgültigen Sieg reichte es dann doch nicht. Der Pokal ging an Ulf von Hassel (CDU), einen ehemaligen Kommunalpolitiker aus Sachsen-Anhalt.

Der gestrige Wettbewerb wurde zum letzten Mal vom Ehrenpräsidenten Alfred Seppel organisiert. "20 Turniere wollte ich schaffen", sagt der 81-Jährige. Jetzt gebe er die Aufgabe aus Altersgründen ab. Wann immer er das politische Parkett betrat, lautete seine erste Frage: "Spielen Sie Schach?" Jahrelang war Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit von der Partie, zweimal auch Finanzminister Wolfgang Schäuble. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder spielte zwar nicht mit, übernahm aber die Schirmherrschaft. Auf Ablehnung stieß er bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nein, sie spiele kein Schach, lautete ihre knappe Antwort.