Stadtplanung

An der Möckernstraße entsteht ein neuer Stadtteil für Familien

Auffällig viele Familien mit kleinen Kindern sowie ältere Menschen waren in die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg gekommen, um die ersten Architekturentwürfe zu Berlins außergewöhnlichstem Wohnbauvorhaben zu begutachten.

Die meisten der gut 500 Menschen, die sich Ende vergangener Woche in der völlig überfüllten Kirche zusammengefunden hatten, haben dabei ein ganz persönliches Interesse an dem Wohnprojekt - sie sind als Mitglieder der Genossenschaft "Möckernkiez" zugleich auch die Bauherren des ökologischen Stadtquartiers, das auf dem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück auf dem Gleisdreieck-Gelände an der Ecke Yorck- und Möckernstraße entstehen soll. Die jetzt präsentierten fünf Siegerentwürfe von fünf verschiedenen Büros - insgesamt hatten 70 am Wettbewerb teilgenommen - sollen beim Bau des Stadtquartiers allesamt zum Zuge kommen. Damit soll eine möglichst bunte Mischung garantiert werden, immerhin werden mindestens ein Dutzend Neubauten mit knapp 400 Wohnungen entstehen. Das Preisgericht unter dem Vorsitz der Berliner Architektin Inken Baller entschied sich für Baumschlager-Eberle Architekten (Österreich) , Rolf Disch Solar Architektur (Freiburg) sowie die drei Berliner Büros Roedig.Schop Architekten GbR, Schulte-Frohlinde Architekten sowie außerhalb des Wettbewerbs Baufrösche Architekten GmbH. "Wer am Ende welche Gebäude an welcher Stelle errichtet, ist damit noch nicht entschieden", betonte Preisrichterin Baller. Alle fünf Entwürfe hätten die drei wichtigsten Kriterien des Wettbewerbs - städtebauliche und architektonische Qualität, ökologische Nachhaltigkeit sowie kostengünstiges und kostensicheres Bauen - hervorragend gelöst, lobte die Jurorin. "Dabei hatte ich Zweifel, ob die strengen Vorgaben tatsächlich einzuhalten sind."

Nach den Vorgaben der Genossenschaftler darf der Quadratmeter am Ende nicht mehr als 2000 Euro kosten, schließlich müssen 30 Prozent der Erstellungskosten als Genossenschaftseinlage aufgebracht werden, während 70 Prozent über Bankkredite finanziert werden müssen. Inklusive des Grundstücks, das die Genossenschaft für acht Millionen bereits aus Eigenmitteln erworben hat, beträgt das gesamte Investitionsvolumen rund 72 Millionen Euro. 30 Prozent davon müssen als unverzinste Genossenschaftseinlage eingebracht werden. Bei einer Wohnungsgröße von 60 Quadratmetern wird so ein Eigenanteil von 36 000 Euro fällig, die man jedoch beim Auszug und Rückgabe der Genossenschaftsanteile zurückerhält.

Der Baustart für das ehrgeizige Projekt soll im Sommer erfolgen. Neben den rund 400 Wohnungen soll dann auch der alte Zollpackhof an der Yorckstraße, den die Genossenschaft gleich mitgekauft hat, neu genutzt werden. Mögliche Nutzungen: Gewerberäume und ein Jugendzentrum. Ebenfalls geplant sind eine Kita sowie ein barrierefreies Hotel.