Medizin

Valentin hat endlich Hände wie jeder andere

Eine knappe Stunde hat der Eingriff gedauert, dann war es geschafft. Die Operation, bei der die Ärzte dem neun Monate alten Valentin aus Russland an jeder Hand einen Finger entfernt haben, ist genauso verlaufen wie geplant.

"Es war kein besonders schwieriger Eingriff, aber ein seltener", sagt Professor Markus Küntscher, Chefarzt der Abteilung für plastische und Handchirurgie der Evangelischen Elisabeth-Klinik in Tiergarten, während er bei seiner morgendlichen Visite bei seinem jungen Patienten nach dem Rechten sieht. Als Valentin auf die Welt kam, hatte er an beiden Händen jeweils einen Finger zu viel.

"In Deutschland gibt es pro Jahr vielleicht ein oder zwei vergleichbare Fälle", sagt Markus Küntscher. Bei der Operation wurden aber nicht nur die Finger entfernt. Die Handflächen wurden einer normalen Handform angeglichen. Dafür musste überflüssiger Knorpel an den Außenseiten der Hände entfernt werden, bevor die Ärzte die Wunden schließen konnten.

Für Valentins Eltern, Sergej (38) und Tatjana (32) Iwanow, waren die Tage nach der Geburt von Unsicherheit geprägt. Sie wussten nicht, ob und wie schnell die zusätzlichen Finger operativ entfernt werden müssen. Die Ärzte in Russland kamen aber übereinstimmend zu der Antwort, dass der Junge operiert werden muss. Das Problem bei den Verwachsungen: Die sechsten Finger waren nicht durch Sehnen mit den Händen verbunden; dadurch hat Valentin sie nicht bewegen können. Sie hätten den kleinen Russen im Alltag zu stark behindert. Und auch durch die optische Beeinträchtigung wäre Valentin stark belastet gewesen.

Damit war der Entschluss für eine schnelle Operation gefallen, und der medizinische Standort Berlin war für die junge russische Familie erste Wahl. "Wir haben uns schlau gemacht, wo es die besten Vorraussetzungen für die Operation gibt und sind dann schnell auf die Elisabeth-Klinik aufmerksam geworden", sagt Vater Sergej. "Vor allem die Chance auf eine schnelle Genesung nach dem Eingriff stand bei unserer Wahl des Krankenhauses im Vordergrund." Und auch um die Kosten musste sich die Familie nicht lange kümmern, sie werden von ihrer Versicherung übernommen.

Als alle Formalien geklärt waren, kam die Familie so schnell es ging nach Berlin. Das war nach Aussage vom behandelnden Arzt Markus Küntscher genau richtig. "Der Vorteil ist, bei kleinen Kindern bestehen die Handknochen zum größten Teil noch aus Knorpel. Da ist eine Amputation der Finger möglichst schnell nach der Geburt sinnvoll", erklärt der Chefarzt. Jetzt liegt Valentin in seinem Bett auf der Kinderstation. Seine Hände sind verbunden, auf den Operationswunden kleben große Pflaster. Schmerzen hat der kleine Junge nicht. Immer wieder streckt er die Arme in die Luft, als wolle er allen seine neuen Hände zeigen.

Schon im Laufe des Wochenendes wird Valentin mit seinen Eltern das Krankenhaus verlassen. Die Wunden verheilen gut. Die Familie wird zur Beobachtung noch einige Tage in Berlin bleiben und dann nach Russland zurückfahren. Dort werden heimische Ärzte den Heilprozess beobachten, damit Valentin in Zukunft nichts mehr von den beiden zusätzlichen Fingern merkt, die er einmal hatte.