Baubeginn im Frühsommer

Und es dreht sich doch

Allen Unkenrufen zum Trotz: Das Berliner Aussichtsrad am Zoo soll doch noch realisiert werden. Projektentwickler Michael Waiser hat gestern zwar weitere Verzögerungen wegen Munitionsfunden bekannt gegeben. Er stellte aber auch in Aussicht, dass die immer noch fehlende Finanzierung demnächst geklärt sein könnte.

"Wir sind mit mehreren Banken in konstruktiven Verhandlungen - ebenfalls führen wir Gespräche mit drei potenziellen europäischen Generalunternehmern für die Bauarbeiten." Er sei überzeugt, dass das Rad komme.

Noch immer fehlt allerdings die Baugenehmigung, die bei den Finanzierungsverhandlungen mit den Banken keine unerhebliche Rolle spielen soll. Nachdem die Konstruktion des Aussichtsrades unter anderem wegen explodierender Stahlpreise verändert worden war, hatte die Great Berlin Wheel GmbH & Co KG beim Bauamt des Bezirks Mitte im Dezember vergangenen Jahres einen neuen Bauantrag gestellt.

Danach soll das Aussichtsrad nicht mehr 185 Meter hoch werden, sondern nur noch 175 Meter. Im Ranking der europäischen Aussichtsräder bliebe es trotzdem auf Platz ein. Das London Eye beispielsweise hat eine Höhe von 135 Metern. Grundlegend verändert wurde auch die Abflughalle des Riesenrades in Berlin. Das zuvor wellenartig konstruierte Gebäude, für das innerhalb von nur zwölf Monaten bereits im Jahr 2007 die Baugenehmigung erteilt wurde, weicht nun einer einfacheren Konstruktion. Die ambitionierte Gebäude-Architektur musste unter anderem vereinfacht werden, weil die wellenartigen Stahlträger maschinell nicht hergestellt werden konnten. Doch Handarbeit hätte das Projekt enorm verteuert.

120 Millionen Euro Fremdkapital

Bei der Frankfurter DBM Fonds Invest GmbH, die den geschlossenen Fonds über 208 Millionen Euro zur Finanzierung von Aussichtsrädern in Peking (208 Meter), Orlando (120 Meter) und Berlin aufgelegt hatte, hofft man nun - wie bei der Great Berlin Wheel auch - auf einen Baubeginn des Aussichtsrades am Zoo im Frühsommer kommenden Jahres. "Es soll eine Bankenfinanzierung geben. 120 bis 140 Millionen Euro sind als Fremdkapital nötig. Weil die Fremdfinanzierung angesichts der Finanzkrise aber ausgesprochen schwierig ist, suchen wir nach anderen innovativen Möglichkeiten", sagte Christian G. Harreiner, Geschäftsführer der DBM Fonds Invest GmbH.

Mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen wollte Harreiner keine Details nennen. Es würden aber weder an der Qualität des 175 Meter hohen Aussichtsrades Abstriche gemacht, noch müssten die Fondsanleger Geld nachschießen, bekräftigte er gestern. Das Berliner Radprojekt, das aus dem Fonds bereits 50 Millionen Euro erhalten hat, werde vorangetrieben.

Abgeschlossen sind mittlerweile die Abbrucharbeiten der Baracken und Gewächshäuser des Zoologischen Gartens, der nun über einen modernen neuen Wirtschaftshof verfügt. Der 17,8 Millionen teure Neubau wurde in einem knappen Jahr Bauzeit hochgezogen und vor gut einem Jahr fertiggestellt, sodass ein Teil des ehemaligen Zoo-Grundstücks unweit der Hertzallee mit dem alten Wirtschaftshof pünktlich für das Aussichtsrad zur Verfügung gestellt werden konnte. Für diesen Grundstücksteil, auf dem nun die neue Touristenattraktion der Hauptstadt entstehen soll, hat die Great Berlin Wheel bereits den Kaufpreis von rund 25 Millionen Euro entrichtet. Damit finanzierte das Land Berlin einen Teil der Kosten für den Zoo-Wirtschaftshof.

Im bestehenden Bebauungsplan ist das Aussichtsrad festgeschrieben, sodass auf dem Areal nichts anderes gebaut werden darf. Das Gelände ist mittlerweile fertig vorbereitet für die Bauarbeiten. Im August wurde das letzte Gebäude abgerissen. Nur noch die Betonmauern, die das Gelände schützen, müssen abgebrochen werden und durch einen Bauzaun ersetzt werden.

Arsenal von Munition im Boden

Nachdem im Sommer bei den Abbrucharbeiten bereits eine Panzerfaust und eine Stabbrandbombe gefunden worden waren, hat die beauftragte Munitionsbergungsfirma nach Angaben von Projektentwickler Waiser im September ein ganzes Arsenal von Munition gefunden, darunter 60 Panzer- und zwei Sprenggranaten, zwei Stabbrandbomben und einen Raketenwerfer. Einen dritten Fund habe es im Oktober gegeben.

Das Landeskriminalamt, das zusammen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der zuständigen Abteilung Kampfmittelberäumung zuständig sei, habe die Verdachtsfläche neben dem S-Bahn-Viadukt auf 150 mal 150 Metern festgelegt. Sogar Gewehrreste, Flak-Munition und Helme seien gefunden worden. Für Berliner Verhältnisse seien diese Funde bei Bauarbeiten - insgesamt 420 Kilogramm Kampfmittel - keine Seltenheit, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Manuela Damianakis. Die Bergung der Munition - insgesamt 292 Stück - und die Suche sind seit vergangenem Dienstag abgeschlossen. Bauarbeiten sind nach Auskunft der Sprecherin allerdings nicht behindert und auch nicht verzögert worden.