Wissenschaftskongress

Erster Kongress der Einstein-Stiftung

Die Einstein-Stiftung zur Förderung der Spitzenforschung in Berlin hat ein Gesicht bekommen. Sebastian Turner, bekannt als Vorstand der Werbeagentur Scholz & Friends, wird die Stiftung künftig leiten.

Dass der neue Vorstand kein Wissenschaftsmanager ist, stößt nicht bei allen auf Verständnis. "Die Einstein-Stiftung ist doch keine Werbeveranstaltung, sondern soll die Berliner Wissenschaften fördern", sagte Nikolas Zimmer, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus. Doch der Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), Gründer der Stiftung bürgerlichen Rechts, rechtfertigt die Entscheidung. "Wir wollen Identifikation und Begeisterung für die Wissenschaften. Und das geht nur, wenn sie auch von Nichtwissenschaftlern verstanden wird."

Dazu diene auch die erste öffentliche Veranstaltung der im April gegründeten Stiftung. Auf dem Wissenschaftskongress "Falling Walls" am 9. November, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, wollen 26 Wissenschaftler aus der ganzen Welt in nur einer Viertelstunde die wichtigsten zukunftsweisenden Forschungsbereiche vorstellen. Unter den Sprechern aus Bereichen wie Medizin, Kommunikation und Wirtschaft ist auch der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist unter den Rednern, sie will am Tagungsort "Radialsystem" in Friedrichshain über die politischen Durchbrüche des 21. Jahrhunderts sprechen.

Teilnehmer aus 50 Ländern

Angemeldet haben sich nach Angaben von Sebastian Turners bisher rund 550 Teilnehmer aus über 50 Ländern, darunter Nepal, Sudan und Japan. Und darauf ist Turner stolz. Denn es soll seine Aufgabe sein, die vielen Wissenschaftler Berlins untereinander und mit internationalen Größen zusammenzubringen. "Die Tagung, ein halbes Jahr nach Gründung, ist ein Anfang." Die Forschung in seiner Dichte sei das größte Potenzial der Hauptstadt. "Wenn Berlin wüsste, was Berlin weiß, wäre das ein enormer Faktor", ergänzte Turner. Als Chef der Einstein-Stiftung will er, ähnlich wie in seinem alten Beruf in der Werbebranche, "herausragende Ideen etablieren".

Bislang hat die Einstein-Stiftung den Berliner Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen 2008 rund 10,5 Millionen Euro und 2009 rund 27,5 Millionen Euro bewilligt. Das Geld fließt hauptsächlich in die Vorbereitungen der Universitäten zur Exzellenzinitiative, einem Verbund von Bund und Ländern zur Förderung der Spitzenforschung. Insgesamt stehen der Stiftung bis 2011 etwa 150 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt zur Verfügung, 75 Millionen Euro sind bereits verplant. Abgerufen seien sie jedoch noch nicht vollständig, sagte Zöllner. Mitglieder des Abgeordnetenhauses, unter anderen Nicolas Zimmer (CDU), hatten der Einstein-Stiftung vorgeworfen, das viele Geld nicht ausgeben zu können.