London

Ein Abend mit Thilo Sarrazin: Außer Thesen nix gewesen

Berlin hat sich gewöhnt an seinen sachbuchschreibenden Ex-Finanzsenator. Und so hat sich der anfängliche Tumult um Thilo Sarrazin inzwischen doch mehr als beruhigt.

Ebenso wie noch am Tag zuvor in London erwarteten Sarrazin am gestrigen Dienstagabend vor dem Tempodrom nur noch eine handvoll Demonstranten. Der kalte Wind, der um die Zeltkuppel pfiff, machte den wachhabenden Polizisten da noch am meisten zu schaffen. Drinnen hatte der Verein Berliner Wirtschaftsgespräche zum Sarrazin-Vortrag geladen. "Wir hätten die Veranstaltung gern ein paar Monate früher angeboten, doch Herr Sarrazin war restlos ausgebucht", sagte Veranstalter Rudolf Steinke. Und das merkt man Thilo Sarrazin langsam auch an. Der erfolgreichste Sachbuchautor Nachkriegsdeutschlands gab sehr routiniert die drei wichtigen Thesen seines Buches - über den demografischen Wandel, die sinkende Innovationskraft der alternden Gesellschaft und die mangelhafte Integrationsleistung muslimischer Migranten - wieder, zu Umschweifen oder gar Weiterentwicklungen kam es nicht. Wer "Deutschland schafft sich ab" gelesen und die kontroverse Debatte verfolgt hatte, konnte aus dem Abend kaum neue Erkenntnisse ziehen. Auch die Debatte bot nichts Neues. Sarrazin ebenso wie seine Kritiker müssen sich wohl zu einer kreativen Schaffenspause zurückziehen.