Selbstversuch

Charité entwickelt ersten Gesundheits-Scanner

Das Gerät ist so groß wie eine Computermaus, binnen weniger Sekunden soll dieser Hauttester sagen können, wie gesund ich lebe. Der Dermatologe Jürgen Lademann hat mich zum Selbsttest in die Charité eingeladen.

Er präsentiert an diesem Morgen sein neuartiges Verfahren zur Ernährungskontrolle. Rauchen, Trinken, ungesunde Ernährung oder Stress - all diese Faktoren hinterlassen ihre Spuren im Körper. Die kann ich nun hier mit einem Hand-Scanner messen. Ich wage einen Selbstversuch.

Eine kleine Revolution

Ganz wohl ist mir dabei nicht. Ich denke an mein turbulentes Wochenende, das auch am Dienstagmorgen noch nachwirkt. Bei einem Streifzug durch das Neuköllner Nachtleben habe ich nicht nur das ein oder andere Glas Wein getrunken, sondern mich auch zu drei oder vier Zigaretten überreden lassen. Auch heute Morgen fehlte die Zeit für ein gesundes Frühstück, es gab nur Kaffee. Geschlafen habe ich nicht viel, sechs Stunden etwa. Ich rechne mit einem weniger guten Wert. Mein Lebensstil war die letzten drei Tage meiner Einschätzung nach eher ungesund.

Professor Lademann erklärt das Gerät, er greift zum Scanner, drückt ihn sacht auf meine Handinnenfläche. Revolutionär sei dieses neu entwickelte Messverfahren, das das Charité-Team die letzten fünf Jahre entwickelte. Früher mussten dem Körper Hautproben entnommen und im Labor untersucht werden. Aufwendig und teuer. Nur in seltenen Fällen ist es deshalb angewendet worden. Mit dem neuen Hauttester wird das Ergebnis in weniger als zwei Minuten errechnet. Eine schnelle Ernährungskontrolle soll so bald für jedermann möglich sein.

Ich blicke auf den Hand-Scanner. Wie funktioniert das Gerät überhaupt? Professor Lademann erklärt: Ein pfenniggroßes Spektrometer sendet Licht in und auf die Haut. Ein Teil des Lichts streut an das Messgerät zurück. Die Rückstreuung enthält viele Informationen über den Lebensstil. Es misst zum Beispiel, wie viele schützende Vitamine und Spurenelemente der Körper vorweisen kann. "Die erzeugen Sie nicht selbst, die nehmen sie über Nahrung auf", sagt Professor Lademann. Die Formel lautet: Je gesünder ich mich ernähre, desto mehr ist mein Körper geschützt. Die Substanzen, die das Gerät misst, nennt Lademann Antioxidantien, sie bekämpfen freie Radikale, beugen damit Krankheiten und Hautalterung vor. Je mehr ich von diesen Schutzstoffen im Laufe meines Lebens aufgenommen habe, desto weniger Falten habe ich. Ich denke an die Gemüsesuppe, die mir mein Freund noch am Sonntagabend gekocht hat. Ob die mich jetzt noch schützt?

Der Scanner liegt immer noch auf meiner Hand, in unter zwei Minuten soll er das Ergebnis liefern. Die Skala liegt zwischen 1 und 10. Ich schaue auf den Laptop, der vor uns steht, er ist mit dem Hauttester verbunden. Der Bildschirm soll gleich mein Ergebnis anzeigen. Es gibt einen roten, gelben und grünen Bereich. Je höher mein Wert, desto besser. Professor Lademann hat inzwischen mehrere hundert Personen getestet, derzeit läuft eine Studie mit Schülern, auch Schwangere und Neugeborene wurden geprüft. Einmal hat Lademann einen Spitzenwert von zehn gemessen. "Die Person hat sich vegetarisch ernährt und nicht geraucht", sagt er. Auch Tiefstwerte kamen schon vor. "Das waren Personen, die gerade einen schweren persönlichen Schicksalsschlag erlebt haben", sagt Lademann. Der Dermatologe geht davon aus, dass nicht nur Stress, sondern auch Zufriedenheit oder Glück eine Rolle bei der Hautalterung spielen.

Der erste Test misslingt - ein Vorführeffekt. Der Versuch wird wiederholt. Während ich warte, frage ich Professor Lademann nach seinem Ergebnis. Er will es leider nicht preisgeben. Und welchen Wert erzielte Wolfgang Köcher? Köcher ist der Geschäftsführer von Opsolution, der Firma, die das Gerät mit der Charite entwickelt hat. Er sieht nicht gesünder als andere Anwesende aus, angeblich hat er aber eine Zehn. Wie das? "Ich mische mir morgens mein Müsli selbst und esse abends rohe Paprika", sagt er. Wolfgang Köcher will den Hauttester übrigens Ende des Jahres auf den Markt bringen, rund 200 Euro soll das Gerät kosten.

Gesunde Ernährung ist wichtig

Wenn mein Wert nun schlecht ist, kann ich dann mit einer Ernährungsumstellung die Fältchenbildung minimieren, frage ich Professor Lademann. "Jung essen können Sie sich leider nicht mehr, aber Sie können Ihr Antioxidantien-Konto auffüllen, um weiterer Hautalterung vorzubeugen", sagt er. Plötzlich ist es da. Der Bildschirm zeigt endlich mein Ergebnis, es ist besser als erwartet. Es ist eine sechs und liegt im grünen Bereich. Professor Lademann findet, dass das ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis ist. Er vermutet, dass ich mich sehr ausgewogen ernähre und nicht rauche. Stimmt nicht ganz. Aber das Ergebnis beruhigend.