Haushalt

Helfer für Behinderte fordern von Sozialsenatorin mehr Geld

Die Einzelfallhelfer für behinderte Menschen haben von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linkspartei) mehr Honorar gefordert: Während die Familienhelfer nach einem Rundschreiben der Sozialverwaltung künftig einen Stundenlohn in Höhe von 39 Euro erhalten, sollen für Einzelfallhelfer nur bis zu 19 Euro ausreichen. Darüber hinaus soll die Wochenarbeitszeit auf 18 Stunden beschränkt werden, um arbeitsrechtliche Probleme wegen einer möglichen Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, sieht die Neuregelung der Sozialverwaltung vor.

In Berlin arbeiten Einzelfallhelfer meistens als Selbstständige. Insgesamt werden rund 2000 hilfebedürftige Berliner zu Hause betreut, um andere - meist teurere - Hilfsangebote zu vermeiden. In einem offenen Brief haben die Einzelfallhelfer Sozialsenatorin Bluhm aufgefordert, die neue Honorarordnung zurückzunehmen. "Lassen Sie sie nicht im Stich, in dem Sie den Menschen, die Hilfe leisten, absolut unzureichende Arbeitsbedingungen verordnen", heißt es in dem Brief an die Sozialsenatorin.

Unerstützung erhalten die Einzelfallhelfer von den Grünen. "Die Forderung erfolgt nicht zu Unrecht", sagt die Sozialstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Sibyll Klotz (Grüne). "Gute Einzelfallhilfe spart Geld", so Klotz weiter. Durch die Betreuung der Hilfebedürftigen zu Hause spare sich das Land die Pflege in Einrichtungen, deren Kosten meist vielfach höher lägen. Zudem teile sie die Ansicht, dass eine Bezahlung von bis zu 19 Euro je Stunde die Arbeit der Einzelfallhelfer gering schätze.

Senatorin prüft Rücknahme

Nach Angaben der Einzelfallhelfer bleiben ihnen nach Abzug aller Abgaben Stundenlöhne zwischen 4,50 und 6,20 Euro. Bei der gleichzeitigen Reduzierung der Arbeitszeit auf maximal 18 Stunden je Woche sei ein auskömmliches Einkommen dadurch nicht zu erzielen.

Sozialsenatorin Carola Bluhm sicherte gestern zu, das umstrittene Rundschreiben noch einmal zu überprüfen. "Die Kritik ist bei uns angekommen", sagte Behördensprecherin Anja Wollny. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die 18-Stunden-Regel wohl nicht nötig sei, um mögliche Scheinselbstständigkeit zu vermeiden. Auch die Kritik am Honorar könne die Sozialsenatorin nachvollziehen. "Es ist in der Tat nicht haltbar, dass gleichwertige Arbeit unterschiedlich honoriert wird", sagte Wollny.

Festlegung ohne Rücksprache

Vor zwei Jahren war eine entsprechende Regelung zwischen den Einzelfallhelfern und der Sozialverwaltung gescheitert. "Wir arbeiten weitgehend unbeobachtet im Dunkeln", sagt der Geschäftsführer der Einzelfallhilfe gGmbH, Rüdiger Mangel. "Deswegen konnte die Senatsverwaltung bislang mit uns schlittenfahren." Die aktuelle Regelung sei "ohne Rücksprache mit irgendjemandem" von der damaligen Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei) festgelegt worden. Dabei sei die Arbeit der mehr als 1000 Einzelfallhelfer anspruchsvoll. "Wir arbeiten mit Menschen, die oft schwere Persönlichkeitsstörungen haben oder mehrfach behindert sind." Die Einzelfallhilfe gGmbH biete zudem Hilfe in 20 verschiedenen Sprachen an.

Die Einzelfallhelfer unterstützen darüber hinaus das Modellprojekt des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Hier sind die Einzelfallhelfer in einem Trägermodell zusammengeschlossen - allerdings steht der Bezirk im Kostenvergleich vergleichsweise schlecht da. Das Modellprojekt war 2000 eingerichtet worden und sollte nach einer Übergangsphase auf alle Bezirke ausgeweitet werden. Das ist bislang nicht geschehen. Auch das werde von der Senatsverwaltung derzeit überprüft, sagte Anja Wollny.