BBI

Schönefeld: Richtfest für den langen Turm

In das ganz große Gefüge des neuen Hauptstadtflughafens BBI passt er sich nahezu unauffällig ein. Erst, wenn man am Fuße des neuen Towers für den künftigen Single-Airport steht, erfasst man seine ganze Dimension. Mit 72 Metern misst er knapp die Hälfte der Berliner Funkturmhöhe und ist damit der zweithöchste Tower auf deutschen Flughäfen.

Nur Düsseldorf übertrifft die Hauptstadt mit einem 76 Meter hohen Kontrollturm. Alles, was sich künftig auf dem neuen BBI in Schönefeld und in dessen Nähe bewegt, wird von diesem neuen Tower aus überwacht.

Gestern konnte die Deutsche Flugsicherung (DFS) Richtfest für den 35 Millionen teuren Bau feiern. Aus 56 Metern Höhe erklang der Richtspruch von Oberpolier Thomas Schnetzer, der den Tower als "Gehirn des BBI" bezeichnete. Flughafenchef Rainer Schwarz nannte den Turm eine "Landmarke des BBI", ein weithin sichtbares Signal für den Fortschritt des neuen Flughafens. Im April war der Grundstein für den Kontrollturm und das an seinem Fuße gelegene Verwaltungsgebäude gelegt worden. Im August 2010 soll der Tower fertiggestellt sein und gut ein Jahr später - im September 2011 - in Betrieb gehen. "So kann bis zur geplanten BBI-Eröffnung am 30. Oktober 2011 noch geprobt werden", sagt DFS-Sprecher Stefan Jaekel.

Anders als in Schönefeld-Alt und Tegel liegt der Tower für den BBI zwischen den beiden Start- und Landebahnen. Das ist nötig, weil am BBI beide Bahnen zeitgleich betrieben werden und sich auch die Parkpositionen der Flugzeuge am Terminal zwischen den Bahnen befinden. Mit der mittigen Lage des Towers haben die Lotsen einen optimalen Blick auf das 640 000 Quadratmeter (80 Fußballfelder) riesige Vorfeld mit seinen 85 Abstellpositionen, auf die Rollwege und die beiden Start- und Landebahnen im Norden und Süden.

Elf Lotsen bietet die gläserne Towerkanzel in luftiger Höhe von 68 Metern und in Form einer Ellipse Platz. Bei Inbetriebnahme des BBI aber werden zunächst sieben Lotsen gleichzeitig dort Dienst tun. Sie werden im Schnitt täglich 700 Flugzeugen die Start- und Landefreigabe erteilen und in Spitzenzeiten für die Sicherheit von 6500 startenden und landenden Passagieren in der Stunde verantwortlich sein. Am Bildschirm und über Funk koordinieren sie den Luftverkehr am Boden und in der Luft im Flughafen-Umkreis von 18 Kilometern und in einer Höhe bis zu 800 Metern. Danach übernimmt dann die Radarkontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung in Bremen.

Die äußerst verantwortungsvolle Arbeit der Lotsen erfordert höchste Konzentration und Nervenstärke. Schließlich sind die Wächter der Lüfte für den störungsfreien Flugbetrieb und damit das Wohl der Passagiere zuständig. Sie müssen darauf achten, dass kein Flugzeug einem anderen zu nahe kommt - am Boden wie in der Luft - und in Gefahrensituationen Herr der Lage bleiben. Um den Stress aushalten zu können und sich von der Anspannung zu erholen, müssen sie alle zwei bis zweieinhalb Stunden während ihrer Achtstundenschicht Pause machen.

"Die bislang 50 Lotsen, die derzeit noch in den Kontrolltürmen in Tegel und Schönefeld arbeiten, werden alle zum BBI wechseln", sagt DFS-Sprecher Jaekel. Sie kennen den Berliner Luftraum und müssen nur noch für das Layout des BBI geschult werden. Die DFS-Lotsen werden - das ist bislang klar - den Flugverkehr auf den Start- und Landebahnen und in der Luft überwachen. Für die Kontrolle des Vorfelds läuft derzeit noch eine Ausschreibung des Flughafens.

Die DFS aber hofft auf den Zuschlag und ist sich ziemlich sicher, dass aufgrund der relativ kurzen Frist bis zur BBI-Eröffnung kein anderer Anbieter diese Leistung stemmen kann.