Bildung

Nur 26 Kinder: Senat plant kleinere Grundschulklassen

Die Klassen in den Grundschulen sollen kleiner werden. Das sieht der Entwurf der Grundschulverordnung der Bildungsverwaltung vor. Senator Jürgen Zöllner (SPD) reagiert damit auf massive Proteste von Eltern und Lehrern.

Denn erst im Frühjahr hatte die Verwaltung eine Sonderregelung für kleine Klassen in Brennpunktschulen aufgehoben. Danach mussten an allen gefragten Schulen die ersten Klassen mit maximal 28 Kindern belegt werden, auch wenn mehr als die Hälfte der Kinder nicht deutscher Herkunft sind. Damit ist die vorgeschriebene Höchstgrenze an den Grundschulen höher als an den geplanten Sekundarschulen, wo maximal 26 Schüler in einer Klasse sitzen sollen.

Dabei hatten die Schulleiter der Grundschulen zuvor immer wieder gefordert, die Klassefrequenzen zu verringern. Eine erfolgreiche Altersmischung, wie sie das Gesetz in den ersten beiden Klassen vorsieht, sei sonst nicht möglich, hieß es. Die jüngsten Zahlen über Rückstellungen belegten die Warnungen. Im Schuljahr 2007/2008 musste jeder sechste Zweitklässler ein Jahr wiederholen.

Der Entwurf der neuen Verordnung sieht nun vor, in der Schulanfangsphase nur noch Gruppen mit 23 bis 26 Kindern einzurichten. Bei einem Anteil von mehr als 40 Prozent von Schülern nicht deutscher Herkunft soll die Klassenstärke zwischen 21 und 25 Schülern liegen. Der Entwurf muss noch in den Gremien abgestimmt werden.

"Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus", sagt Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der GEW. Erst in der vergangenen Woche habe der Senat eine bessere Personalausstattung in den Kitas beschlossen, nun folge die Absenkung der Klassenstärke in den Grundschulen. "Wir sind froh, dass Senator Zöllner erkannt hat, welchen hohen Stellenwert die frühkindliche Bildung hat", sagt Seggelke. "Der Senat ist lernfähig und reagiert auf Kritik", applaudieren auch die Grünen. Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu, fordert, im Haushalt zusätzlich sieben Millionen Euro für Sprachförderung an Grundschulen einzuplanen.

Eine Erleichterung für die jahrgangsgemischten Grundschulklassen ist auch die Änderung der Rückstellungspraxis, die gestern vom Senat beschlossen worden ist. Demnach können Kinder um ein Jahr von der Schulpflicht zurückgestellt werden, wenn sie nicht den nötigen Entwicklungsstand für die Schule aufweisen. Zudem beschloss der Senat die Änderung der Aufnahmekriterien für Gemeinschaftsschulen. Wenn es an den Pilotschulen mehr Anmeldungen als Plätze gibt, werden künftig Kinder, die in der Nähe der Schule wohnen, bevorzugt.