Klimaschutz

Für 10 000 Straßenbäume werden Paten gesucht

Glamour und Stars, Autokolonnen und durchfeierte Festivalnächte - die Liste der Begleiterscheinungen der Berlinale ließe sich problemlos verlängern. Allein der Klimaschutz gehört nicht dazu. Noch nicht: Gemeinsam mit dem Ökostromanbieter Entega, einer Tochter des Hessischen Energiekonzerns HSE, und dem Künstler Ralf Schmerberg starten die Internationalen Filmfestspiele eine Kampagne zugunsten von Berlins Baumbestand.

10 000 Straßenbäume hat Berlin durch Abholzungen in den vergangenen Jahren verloren. 2000 verwaiste Baumscheiben kommen jährlich dazu. Das Budget für Nachpflanzungen reicht in keinem Bezirk - mit entsprechenden Folgen für die CO2-Bilanz. Mit ihrer Kampagne wollen die Akteure nun Baumpaten gewinnen. Der Erhalt des städtischen Grüns sei "eine Angelegenheit für alle Bürger", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwoch zum Auftakt im Großen Tiergarten. Mit 14 Metern Höhe und 53 Metern Länge weithin sichtbar, ragen dort die hölzernen Buchstaben des Wortes "Holy Wood" auf. Ralf Schmerbergs Beinahe-Kopie des berühmten Schriftzuges in Los Angeles soll zur Beteiligung an der Aufforstung motivieren. Stehen bleiben werde die Installation bis zum Ende der Berlinale, sagte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD).

1000 Euro wird die Baumpaten die Anpflanzung eines neuen Straßenbaumes und die Pflege in den ersten drei Jahren kosten. Geplant ist, dass alle Bezirke ihre Leerstellen in den Baumreihen kartieren und öffentlich machen. Gothe: "Das Ziel ist, dass jeder Baumpate entscheidet, wo ,sein' Baum wächst." Auch die Abwicklung soll zentral über ein Büro der Initiative laufen. Mehr Umweltschutz soll es allerdings nicht nur beim städtischen Grün geben. Das Freiburger Öko-Institut berechnet derzeit die Unternehmens-Klimabilanz der Berlinale. Dazu zählen zum Beispiel Emissionen, Energie- und Materialverbrauch. Bis 2013 sollen mit Hilfe des Instituts Verbesserungen umgesetzt werden. Erste Schritte seien schon erfolgt, sagte Berlinale-Chef Dieter Kosslick. So wurde zum Beispiel für die Energieversorgung der Büros oder am Roten Teppich auf Ökostrom umgestellt. Bei der Kommunikation werde an Papier gespart. Nicht auf alles lässt sich aber verzichten: So waren die Teerarbeiten auf dem Boulevard der Stars am Nachmittag noch nicht beendet, als das offizielle Schild des Boulevards enthüllt wurde. In den Tagen zuvor hatten Bauarbeiter bereits die Sterne poliert, damit die Namen der Stars lesbar sind. Der erst im September 2010 eröffnete Boulevard hatte schnell an Glanz verloren. Der rote Boden war mit 5Flecken und Zigarettenkippen übersäht, die Messingsterne schimmerten nur noch matt im Scheinwerferlicht. Um 16 Uhr beendeten die Straßenarbeiter ihr Werk - pünktlich einen Tag vor Eröffnung der Berlinale.