Sicherheit

Laser-Attacken werden zur Gefahr

Es mutet an wie kindlicher Unfug, doch es hätte böse enden können. Als am Sonntagabend ein Zug der U-Bahnlinie 8 in den Bahnhof Schönleinstraße in Kreuzberg einfuhr, wurde der 35-jährige Zugführer plötzlich von einem Laserstrahl geblendet. Trotz der unerwarteten Attacke und eines "gewaltigen Schreckens" konnte er den Zug problemlos zum Halten bringen. Ausgelöst hatte das Blenden ein auf dem Bahnsteig wartender 13-Jähriger.

Der Vorfall erboste den Fahrer nach der ersten Schrecksekunde derart, dass er den inzwischen in den Zug eingestiegenen Jungen im nächsten Bahnhof mit Hilfe zweier Wachmänner stellte und der Polizei übergab.

Die Beamten beschlagnahmten den sogenannten Laser-Pointer, leiteten gegen den 13-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ein und übergaben den strafunmündigen Täter anschließend seiner Mutter. Den betroffenen Zugführer brachten Rettungssanitäter der Feuerwehr vorsorglich in ein Krankenhaus.

Die frei verkäuflichen, scheinbar harmlosen Laser-Pointer - unscheinbar anmutende Geräte, die einen dünnen, weitreichenden Lichtstrahl aussenden - gerieten Anfang Oktober erstmals in die Schlagzeilen. Damals wurde bekannt, dass Kinder und Jugendliche mit den Geräten auf Flugzeuge gezielt hatten, die sich im Landeanflug auf Tegel befanden. Die Pilotenvereinigung verwies umgehend darauf, dass solche Blendattacken auf Piloten schwere Augenverletzungen, aber auch Flugunfälle auslösen können. Die Berliner Polizei verzeichnete sei Ende September vier solcher Attacken auf den Flugverkehr.

Verursacher wollten Spaß haben

Eine Verursacherin konnte ermittelt werden, eine 15-Jährige, die vom Balkon der Wohnung ihrer Eltern mit dem Laser-Pointer hantierte, weil sie "einfach mal Spaß haben wollte". Spaß haben wollten offenbar auch die Jugendlichen, die vor zehn Tagen in der frühabendlichen Dunkelheit aus einem Gebüsch an der Hochstraße in Gesundbrunnen mit ihren Laserpointern auf vorbeifahrende Autos zielten. Er habe nach der unerwarteten Blend-Attacke Mühe gehabt, die Kontrolle über sein Fahrzeug zu behalten, gab ein Fahrer bei der alarmierten Polizei zu Protokoll.

"Man muss gar nicht wollen, dass etwas passiert, allein dass man es tut, ist ein Straftatbestand", kommentiert ein Polizeisprecher die "Zielübungen" der zumeist jugendlichen Täter. "Zum Glück ist bislang noch nichts Ernsthaftes passiert. Das kann sich aber schnell ändern", sagte ein Polizeibeamter gestern besorgt.

Die Jugendlichen haben keinerlei Probleme, an die Laser-Pointer - je nach Kundenwunsch mit rotem, blauem oder gelbem Lichtstrahl - zu gelangen. Eine Berliner Elektronik-Handelskette bietet aktuell an: Laser-Pointer "in der Form eines edlen Stiftes", Reichweite 50 Meter, 5 Euro; als Schlüsselanhänger, Reichweite 100 Meter, 5,95 Euro. Feuerzeuge mit integriertem Laser-Pointer sind derzeit vornehmlich als Werbegeschenke zigtausendfach im Umlauf. Das Gerät, das der 13-Jährige bei der Attacke am Sonntag benutzte, ebenfalls mit einer Reichweite von 100 Meter ausgestattet, ist für 3,95 Euro erhältlich.

Kein Verkauf an Kinder

Angesichts der Häufung von Attacken in jüngster Zeit hat das Institut für Lasermedizin an der Universität Düsseldorf gerade eine Studie über die Gefahren solcher Laser-Pointer abgeschlossen. Die Experten überprüften 23 Geräte verschiedener Hersteller und stuften alle als gefährlich ein. Der dünne Strahl erzeuge am Auge des Getroffenen eine kurzzeitige Temperaturerhöhung um bis zu 20 Grad, die zu empfindlichen Schäden an der Netzhaut führen könne, selbst dann, wenn der Strahl nur für einen Sekundenbruchteil auf die Netzhaut trifft. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass es an der Zeit ist, die Vorschriften für den Verkauf der inzwischen handlichen und preisgünstigen Laser zu ändern. Wörtlich heißt es in der Studie: Ganz sicher ist, dass solche Laser nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden dürfen, da gerade ihnen die von diesen Geräten ausgehende Gefahr in keiner Weise bewusst ist.