Sanierung

Humboldthafen wird mehr als doppelt so teuer

Der neue Humboldthafen in Mitte direkt neben dem Hauptbahnhof wird deutlich teurer als geplant. Wie aus einem Bericht der Stadtentwicklungsverwaltung hervorgeht, müssen nun für die Sanierung der nördlichen Uferwände statt der geplanten 3,7 Millionen Euro 7,9 Millionen Euro aufgewendet werden.

Der Humboldthafen gilt als einer der wichtigen Ausgangspunkte für das neue Entwicklungsgebiet Heidestraße, wo unter dem Namen Europacity auf 40 Hektar ein Quartier mit Wohnungen, Büros und Flächen für Kultur und Freizeit entstehen soll. Das Areal gilt als das wichtigste Bebauungsgebiet in der Innenstadt.

Während für die Entwicklung der wichtigsten Grundstücke die Vivico Real Estate zuständig ist, kümmert sich Berlin um die Herrichtung des Humboldthafens. Das früher als Industriehafen genutzte Becken soll nun zum Mittelpunkt werden. Gerade auch wegen seiner Nähe zum Regierungsviertel sollen von dort Boote mit Touristen starten. So sind beispielsweise ein zentraler Haltepunkt für Fahrgastschiffe und Anlegemöglichkeiten für Sportboote geplant.

Ankerplatz mit Reichstagspanorama

Doch der Ankerplatz mit Reichstagsblick wird nun deutlich teurer als erwartet. Für eine breite Promenade und Arkaden an der Wasserseite müssen die Ufer saniert werden. Ging die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in ihren Bauplänen vor zwei Jahren noch davon aus, dass 3,7 Millionen Euro dafür ausreichen würden, muss man nun mehr als das Doppelte einplanen.

Der Bericht der Staatssekretärin Maria Krautzberger listet detailliert auf, was teurer wird. So sind die Kosten für Betonanlieferung, Maschinen und Energie deutlich gestiegen, wofür die Senatsverwaltung nun 895 000 Euro mehr in den Haushalt einstellen will. Auch der Beton selbst wird wohl 110 000 Euro mehr kosten als vor zwei Jahren geschätzt. Besonders zu Buche schlagen auch die gestiegenen Stahlpreise. Weil bei der Sanierung der Uferwände vor allem Spundwände aus Stahl eingesetzt werden, rechnet die Staatssekretärin mit Mehrkosten von 1,035 Millionen Euro. Da sich der Boden schwierig gestaltet, muss nun in einem Teilabschnitt noch eine Dichtungswand eingezogen werden, was 560 000 Euro zusätzlich kosten wird. Zudem muss in bestimmten Bereichen Granit statt Sandstein verwendet werden, was 833 000 Euro zusätzlich ausmacht.

Und auch die Deutsche Bahn ist vorsichtig. Weil eine Beschädigung des Hauptbahnhofs und der Brücke über den Humboldthafen durch Rammarbeiten ausgeschlossen werden soll, werden für messtechnische Überwachungen 70 000 Euro ausgegeben. Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses muss den nun anfallenden Mehrkosten noch zustimmen.

Ein anderes Thema, der Bau der vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in unmittelbarer Nähe des Humboldthafens gewünschten Kunsthalle, ist nach wie vor völlig in der Schwebe. Dabei muss sich Wowereit bei seinem Lieblingsprojekt nicht nur gegen den Widerstand aus eigenen Reihen durchsetzen, sondern auch die Ablehnung durch seinen Koalitionspartner Linke überwinden. Und hier zeichnet sich keine Lösung ab.

Noch vor Kurzem hatte Wowereit betont, dass es sein Ziel gewesen sei, das Kunsthallenprojekt noch während der aktuellen Legislaturperiode zu verwirklichen. Er werde "weiter dafür kämpfen". Bei der Standortfrage seien aber Zugeständnisse möglich, sagte Wowereit, der das Areal nahe dem Hafen favorisiert: "Ich bin bereit, über jeden Standort zu diskutieren", fügte er hinzu.