Hohenschönhausen

Ex-Stasi-Häftling bricht Kunstprojekt vorzeitig ab

Der ehemalige Stasi-Häftling Carl-Wolfgang Holzapfel hat ein Internetkunstprojekt in seiner Zelle in der früheren Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit in Hohenschönhausen vorzeitig abgebrochen. Er habe die am Donnerstag begonnene Aktion am Sonnabendnachmittag aus "emotionalen Gründen" beendet, wurde gestern mitgeteilt. Ursprünglich sollte das Projekt, bei dem Holzapfel von einer Webcam rund um die Uhr gefilmt wurde, eine Woche dauern.

"Ich fühlte mich psychisch nicht mehr in der Lage, diese Aktion weiter fortzusetzen und bitte dafür um Verständnis", sagte Holzapfel, der sich jetzt zu Hause erholt. Die Zeit in der Zelle habe ihm noch einmal vor Augen geführt, "welchen psychisch unerträglichen Belastungen Häftlinge ausgeliefert waren". Er habe diese Situation nicht mehr ertragen. Besonderen Dank sagte er allen Beobachtern des Projekts, Unterstützern wie Kritikern.

Der Aufenthalt in der Zelle 207 der heutigen Gedenkstätte konnte im Internet verfolgt werden. Mit der Kunstperformance "24/7 Stasi-Live-Haft" wollten Holzapfel und die Künstlerin Franziska Vu nach eigenen Angaben aufrütteln und insbesondere junge Menschen dafür sensibilisieren, was Stasi-Haft für Kritiker der SED-Diktatur bedeutete. Die totale Isolation der Häftlinge von der Außenwelt sollte für jeden nachvollziehbar dargestellt werden.

Holzapfel war den Angaben zufolge nach einer Demonstration für die Freilassung der politischen Gefangenen in der DDR im Oktober 1965 am Checkpoint Charlie verhaftet und nach Hohenschönhausen gebracht worden. Dort war er vor und nach seiner Verurteilung zu acht Jahren Zuchthaus insgesamt neun Monate in Einzelhaft. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), deren Vizevorsitzender er bis vor Kurzem war, debattierte am Wochenende die Erklärung Holzapfels, von 1989 bis 1990 Mitglied der Republikaner gewesen zu sein - was er als "Irrtum" und "Zwischenspiel" bezeichnete. Die VOS sieht sich jedoch getäuscht. Holzapfel habe seine Vergangenheit verschwiegen, sagte Sprecher Ronald Lässig. Mehrere VOS-Mitglieder wünschten den Ausschluss Holzapfels.

Besonders scharf wurde Holzapfel vom verfassungspolitischen Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, Tom Schreiber, kritisiert. "Das ist ein Deutschnationaler und ein Kommunistenhasser", sagte Schreiber. Obgleich er die Kunstaktion begrüße, sei eine Teilnahme von Holzapfel "verwerflich".