Krise

Entschädigung für 25 000 Kunden

Zugausfälle und Verspätungen: Den Nutzern der Berliner S-Bahn wurde in den vergangenen Monaten viel zugemutet. Seit Kurzem werden Stammkunden dafür entschädigt, mit freier Fahrt im Monat Dezember. Drei Wochen nach dem Auftakt der Entschädigungsmaßnahmen haben sich bereits Tausende Fahrgäste an den Schaltern der S-Bahn und der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Entschädigung in bar auszahlen lassen. Zu einem Ansturm auf die Verkaufsstellen ist es aber nicht gekommen.

Nach Angaben eines Bahn-Sprechers vom Sonntag ließen sich bisher mehr als 25 000 Stammkunden, die Jahreskarten und teils auch Abonnements in bar oder mit Kreditkarte bezahlt hatten, den Fahrpreis für den Monat Dezember erstatten. 8000 von ihnen erhielten die Plastiktütchen mit abgezähltem Geld an BVG-Schaltern, wie Unternehmenssprecher Klaus Wazlak auf Anfrage mitteilte.

Die meisten Entschädigungen laufen allerdings bargeldlos ab. Normalen Abonnenten wird im Dezember ein Monatspreis nicht abgebucht werden. Zudem dürfen an den kommenden vier Adventswochenenden alle Fahrgäste mit einem Einzelfahrschein den ganzen Tag fahren. Im neuen Jahr können sich dann Kunden, die sich für den Dezember 2009 eine Monatskarte gekauft haben, 15 Euro in bar erstatten lassen. Das Verfahren für diese Barauszahlungen sowie die Möglichkeiten für die Entschädigung von Studenten mit Semesterticket werden gegenwärtig vorbereitet beziehungsweise geprüft, sagte der Bahn-Sprecher.

Die Entschädigungen für Stammkunden hatten am 8. Oktober begonnen. Mit ihnen will die S-Bahn die zahllosen Zugausfälle in den vergangenen Monaten wiedergutmachen. Bei den Entschädigungen spielt es keine Rolle, ob die Zeitkarten bei der S-Bahn, der BVG oder anderen Unternehmen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) gekauft wurden. Mit den Gewerbetreibenden in den von Verkehrsausfällen besonders betroffenen S-Bahnhöfen will die Bahn individuelle Ausgleichsregelungen vereinbaren. Viele Ladeninhaber klagen über Ausfälle ihrer Einnahmen in dramatischer Höhe, weil mit den S-Bahn-Fahrgästen auch die Kunden ausgeblieben sind.

Die S-Bahn der Hauptstadt kann seit Ende Juni keinen normalen Betrieb mehr anbieten. Wegen technischer Untersuchungen an Rädern und Bremsen, bei denen Materialfehler vorliegen können, sowie eklatanten Wartungsfehlern wurden zeitweise drei Viertel ihres Wagenparks aus dem Verkehr gezogen. Für Reisende bedeutete dies Zugausfälle, Verspätungen und längere Arbeitswege.

Ab heute kehren weitere Züge aus den Werkstätten auf die Schienen zurück, sodass die S-Bahn nun 700 Wagen einsetzen kann. Das sind 20 mehr als in den vergangenen zwei Wochen. Somit fahren die Züge der Linie S3 zwischen Erkner und Westkreuz von Montag an wieder mit acht statt bisher sechs Wagen. Zudem sorgen werktags auf der Linie S1 zwischen Frohnau und Anhalter Bahnhof morgens jeweils zwei Verstärkerzüge pro Richtung für Entlastung. In Richtung Innenstadt verkehren die zusätzlichen Züge um 7.24 Uhr und um 7.44 Uhr ab Frohnau. In der Gegenrichtung fahren sie um 6.36 Uhr und um 6.56 Uhr ab Anhalter Bahnhof.

Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember will die S-Bahn wieder einen normalen Verkehr mit werktags rund 1100 Wagen anbieten, falls nicht neue gravierende Mängel auftauchen und den Bahn-Managern einen Strich durch die Rechnung machen.