Interview

RKI-Chef Burger: Impfquote bei Medizinern zu niedrig

Das Robert-Koch-Institut (RKI) forscht als zentrale Einrichtung der Bundesregierung zum Thema Schweinegrippe. Mit dem neuen Präsidenten des Instituts, Professor Reinhard Burger, sprach Redakteurin Ina Brzoska.

Berliner Morgenpost: Herr Professor Burger, ist der Tod des neunjährigen Mädchens aus Schwedt in der Charité ein tragischer Einzelfall?

Prof. Dr. Reinhard Burger: Nein, in seltenen Fällen kommt das vor. Der Fall zeigt: Das H1N1-Virus ist nicht aus der Welt, es zirkuliert auch dieses Jahr. Weiterhin sind drei Viertel aller Influenzapatienten an Schweinegrippe erkrankt.

Berliner Morgenpost: Das Mädchen hatte keine Vorerkrankungen, wundert Sie das nicht?

Prof. Dr. Reinhard Burger: Nein, etwa ein Fünftel aller Todesfälle hatte keine Vorerkrankungen. In seltenen Fällen treten Komplikationen auf. Beispielsweise kann es bei der Schweinegrippe zu einer durch Viren ausgelösten Lungenentzündung kommen, bei den klassischen saisonalen Influenzaviren kommt es dagegen eher zu bakteriellen Lungenentzündungen, die dann zu Todesfällen führen.

Berliner Morgenpost: Wie erkennen Angehörige, dass es sich um die Schweinegrippe und nicht um eine Grippe handelt?

Prof. Dr. Reinhard Burger: Wenn man mit starken Kopf- und Muskelschmerzen im Bett liegt und überhaupt nicht mehr aufstehen mag, wenn die Krankheit sehr abrupt begonnen hat und dann plötzlich sehr hohes Fieber gemessen wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um Schweinegrippe handelt. Wegen der Ansteckungsgefahr für andere ist es übrigens besser, mit der Arztpraxis vorher telefonisch Kontakt aufzunehmen und sich nicht ins volle Wartezimmer zu setzen.

Berliner Morgenpost: Es gibt Ärzte, die auf Impfschutz verzichten. Sind Sie geimpft?

Prof. Dr. Reinhard Burger: Die Impfquote bei Medizinpersonal ist viel zu niedrig, das ist leider ein Problem. Ich bin selbstverständlich geimpft.

Berliner Morgenpost: Reicht der Impfschutz aus dem vergangenen Jahr noch aus?

Prof. Dr. Reinhard Burger: Vermutlich nicht, ich empfehle eine erneute Impfung, die auch gegen die anderen zirkulierenden Influenzaviren schützt. Vor allem chronisch Kranke, Schwangere, Menschen über 60 und Medizinpersonal sollten geimpft sein. Eine Impfung ist auch jetzt noch sinnvoll.