Liebigstraße 14

Hausräumung: Polizei rüstet nach Krawallen auf

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit radikalen Autonomen sind am Sonnabend 40 Polizisten verletzt worden. Zeitweise mussten sich die Beamten zurückziehen, um weiteren Angriffen zu entgehen. Passanten und Journalisten brachten sich vor Steinwürfen in Sicherheit. Die Krawalle stehen im Zusammenhang mit der geplanten Räumung des Hauses Liebigstraße 14 in Friedrichshain am Mittwoch.

Die Polizei nahm 17 Personen wegen Landfriedensbruchs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte fest. Insgesamt waren knapp 700 Beamte in Einsatz. Bei der Berliner Polizei werden die Zwischenfälle als mögliche Vorboten von Widerstand gegen die Räumung des Wohnprojekts Liebigstraße 14 gewertet. "Die Szene hat sich mit ihren Aktionen zurückgemeldet", so ein ranghoher Polizeiführer. "Wir sorgen uns nicht nur um die Ereignisse rund um den eigentlichen Räumungseinsatz, sondern auch darum, was aus Wut Mittwochabend in Kreuzberg geschehen könnte."

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sollen aus Polen, Tschechien und auch aus der Ukraine autonome Gruppe angereist sein. "Diese Leute wissen, dass sie hier in einer Art Anonymität agieren können." Die Polizei wird am Mittwoch jedoch ein Großaufgebot bereit haben, um Gewalt zu verhindern.

Bei der Demonstration von Sympathisanten des Wohnprojekts waren am Sonnabend gegen 15.45 Uhr knapp 2000 Teilnehmer am Kottbusser Tor in Kreuzberg losgezogen. Zunächst wurden im Bereich der Oberbaumbrücke und der Warschauer Straße Silvesterböller gezündet und Flaschen auf Polizisten geschleudert. Kurz vor einer Straßenkreuzung rannten die Teilnehmer an der Spitze des Demonstrationszuges plötzlich los und griffen die Beamten an, die vor ihnen liefen - drei wurden verletzt.

Als der Aufzug in die Rigaer Straße einbog, zogen sich die Einsatzkräfte zurück, um in der engen Straße nicht erneut attackiert zu werden. An der Kreuzung Liebig- und Rigaer Straße zündeten Vermummte auf mehreren Hausdächern Pyrotechnik, der Demonstrationszug verharrte für einen Moment. Gegen 17 Uhr entlud sich die Gewalt gegen die Beamten einer Einsatzhundertschaft, die an der Kreuzung Rigaer/Zellestraße standen. Mehrere Vermummte zerstörten Fensterscheiben eines Geschäfts und eines davor stehenden Fahrzeugs, rissen eine Baustellenumzäunung ein und warfen Gegenstände auf die Fahrbahn. Die Polizisten wurden massiv mit Pflastersteinen, Glasflaschen und Feuerwerkskörpern beworfen, sodass Unterstützungseinheiten hinzueilten und gezielt gegen Straftäter vorgingen. Mehrmals blendeten Unbekannte die Einsatzkräfte mit extrem hellen Laserpointern. Aus Wohnungen wurden Farbeier und Flüssigkeiten auf die Polizisten geworfen, auf einem Dach wurden Autonome gesichtet, die in einer Badewanne Steine nach oben transportiert hatten. Ein Reporter wurde von einem Stein am Knie getroffen, er musste in einem Krankenhaus behandelt werden.

Gegen 17.40 Uhr beendete an der Liebigstraße der Anmelder der Demonstration den Umzug mit einer Lautsprecherdurchsage. Als unmittelbar danach wiederholt mit Flaschen und Steinen geworfen wurde, nahm die Polizei die ersten Personen fest. Danach entfernten sich die meisten Demonstranten. 250 von ihnen blieben jedoch in mehreren Szenelokalen und auf den Straßen um die Liebigstraße. Gegen 19 Uhr hielten sich dann nur noch etwa 40 Personen in der Umgebung auf.

Gegen 21.15 Uhr dann die nächste Eskalation: Ein Passant rief die Polizei, weil eine Gruppe von 30 bis 50 Vermummten mit Steinen die Schaufensterscheiben eines Modegeschäfts an der Neuen Schönhauser Straße in Mitte einwarfen. Die Unbekannten hatten zudem mit Farbe gefüllte Kartons an die Hauswand geworfen. Vermutlich dieselben Täter zerstörten danach die Glasfront eines Geschäfts an der Linienstraße und warfen Verkehrszeichen und Warnbaken auf die Fahrbahn der Almstadtstraße. Beim Eintreffen der Polizei waren die Randalierer bereits geflüchtet.

Ein Wachschutzmitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens alarmierte gegen 21.45 Uhr erneut die Polizei, als er die zerstörten Fensterscheiben einer Bankfiliale an der Kreuzberger Eisenbahnstraße entdeckte. Gegen 2.20 Uhr griffen Autonome mit Pflastersteinen ein Einsatzfahrzeug der Polizei auf der Revaler Straße an. Die Beamten blieben unverletzt.