Räumung

Massive Krawalle bei Protest-Demo gegen Räumung

Nach zunächst friedlichem Beginn ist es am Sonnabendabend während einer Demonstration gegen die bevorstehende Räumung des Hauses Liebigstraße 14 zeitweilig zu massiven Gewaltausbrüchen durch vermummte Angehörige der autonomen Szene gekommen.

Dabei gab es nach Angaben eines Polizeisprechers einer Vielzahl von Verletzten; neben Polizeibeamten sei auch ein Journalist betroffen, sagte der Sprecher. Genaue Zahlen konnte er zunächst nicht nennen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost liegt die Zahl der verletzten Einsatzkräfte in jedem Fall im zweistelligen Bereich, auch einige unbeteiligte Passanten sollen betroffen sein.

Die Demonstranten waren am Sonnabendnachmittag kurz vor 16 Uhr am Kottbusser Tor gestartet und dann durch Kreuzberg und Friedrichshain gezogen. Die Polizei sprach von 1000 Teilnehmern, der Veranstalter von 3000. Bis auf einige im Zug gezündete Feuerwerkskörper blieb es zunächst ruhig. Bei einer Zwischenkundgebung an der Warschauer Straße flogen dann allerdings bereits mehrfach Steine und Flaschen in Richtung der Polizei. Danach wurde die Stimmung unter den Demonstranten nach Angaben von Beobachtern zunehmend aggressiver.

Als der Zug die Kreuzung Rigaer Straße Ecke Liebigstraße erreicht hatte und sich in unmittelbarer Nähe des von der Räumung bedrohten Hauses befand, eskalierte die Situation urplötzlich. Der Aufzug stoppte abrupt, und aus einer Gruppe vermummter Demonstranten wurden Pflastersteine, Flaschen und Feuerwerkskörper geworfen. Die Wurfgeschosse flogen in Richtung Polizisten und Passanten. Gleichzeitig gingen an einigen Häusern Scheiben zu Bruch. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele zeigte sich entsetzt über die Gewalteskalation: "Das kann nicht wahr sein."

Nachdem die Polizei sich bis zu diesem Zeitpunkt demonstrativ zurückgehalten hatte, rückten die Einsatzkräfte nunmehr konsequent vor, es gab zahlreiche Festnahmen, auch hier nannte die Polizei am Abend zunächst keinen genauen Zahlen. Nach einiger Zeit gelang es den Einsatzkräften, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Aufgrund der gewalttätigen Übergriffe erklärte der Veranstalter die Demonstration, die ursprünglich bis zum Boxhagener Platz ziehen sollte, vorzeitig für beendet. Kurz darauf löste sich an der Rigaer Straße die Demonstration auf.

"Das sind Verrückte und Kriminelle, denen geht es weder um Proteste gegen die Räumung, noch um ein anderes politisches Anliegen. Alles was die unbedingt wollen, ist Krawall", sagte ein Anwohner der Liebigstraße, der die Ausschreitungen verfolgt hatte. Ein anderer Augenzeuge berichtete, die Polizei habe sich zurückgezogen. Das hätten gewaltbereite Demo-Teilnehmer sofort ausgenutzt; sie seien sofort nachgerückt und gezielt auf die Beamten losgegangen. Ein Polizeisprecher sagte am Abend, die Einsatzkräfte hätten sich an der Rigaer Straße aus taktischen Gründen zurückgezogen, um Demonstranten keine Angriffsfläche zu bieten und die Gewalt ins Leere laufen zu lassen.