Gleisdreieck

U 2 wird erneut zur Dauer-Baustelle

Die Nutzer der U-Bahn-Linie 2 sind einigen Kummer gewohnt. Zwei Jahre lang in Folge mussten sie Pendelverkehr und Ersatzbusse in Kauf nehmen, weil irgendwo auf der Linie gebaut wird. Doch auch in diesem Jahr müssen sie sich auf teils erhebliche Einschränkungen einstellen.

So wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ab Mai die 2009 begonnene Sanierung des Gleisdreiecks fortsetzen. Für die Fahrgäste der U 2 heißt das: sieben Monate lang umsteigen und mehr Fahrzeit einplanen. Denn bis weit in den November hinein wird der Zugbetrieb auf der U 2 zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz unterbrochen sowie die untere Ebene des rund 100 Jahre alten Bahnhofs teilweise gesperrt sein. Die U 2 verkehrt im Nordosten der Linie nur bis Potsdamer Platz im 5-Minuten-Takt, zwischen Potsdamer Platz und Gleisdreieck fahren Züge nur noch alle zehn Minuten.

Betriebsschluss um 22 Uhr

Doch damit nicht genug: Weil der Verkehr auf dem Streckenabschnitt zwischen Vinetastraße und Senefelderplatz künftig mithilfe eines modernen elektronischen Stellwerks gesteuert werden soll, wird drei Monate lang sonntags bis donnerstags der Betriebsschluss auf 22 Uhr vorgezogen. Dann heißt es für die U-2-Fahrgäste wieder umsteigen, entweder in die Straßenbahn oder in den Ersatzbus. Eigentlich sollte die neue Digitaltechnik bereits im Vorjahr bei der Sanierung der Hochbahnstrecke montiert werden. Doch weil sich wegen des Lärmschutz-Streits mit den Anwohnern die Arbeiten verzögerten, blieb dafür nicht genug Zeit. Nun wird dies nachgeholt, voraussichtlich in der Zeit von Juni bis August. Einzelheiten dazu will die BVG später bekannt geben.

Die Arbeiten an der U-Bahn-Linie U 2 sind jedoch nur ein Teil des gesamten Bauprogramms der BVG, das deren Infrastruktur-Chef Ralf Baumann und Bau-Abteilungsleiter Uwe Kutscher am Mittwoch vorstellten. Insgesamt sind es 163 größere Einzelprojekte und Tausende kleinere Vorhaben. Geplant ist für 2011 ein Investitionsaufwand von insgesamt 160 Millionen Euro, sieben Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Das Gros der Mittel, fast 116,7 Millionen Euro, geht dabei in das in die Jahre gekommene U-Bahn-Netz, weitere 43,6 Millionen will die BVG in das Straßenbahn-Netz stecken. Bei der Straßenbahn stehen dabei zwei wichtige Neubauprojekte ganz obenan.

Zum einen die lange geplante Verlängerung der Gleise vom S-Bahnhof Adlershof zum Wista-Gelände, wo sich inzwischen zahlreiche Bildungseinrichtungen und Hightech-Firmen angesiedelt haben. Weil die Deutsche Bahn mehr Zeit für den Bahnhofsneubau benötigte, konnte die BVG bislang nicht damit beginnen, die unter der Straßenüberführung geplanten neuen Haltestellen einzurichten.

Wenig erfreulicher Nebeneffekt der Bauverzögerung: Dreiste Buntmetalldiebe haben bereits vormontierte Fahrdrähte und Kabel in einem Wert von etwa 60 000 Euro gestohlen. Nun muss alles neu montiert werden, unter anderem mit bei Dieben weniger begehrten verzinkten Stahlteilen. "Sobald die dran sind, werden wir das Gelände von einem privaten Sicherheitsdienst bewachen lassen", kündigte Baumann an. Die Neubaustrecke kann voraussichtlich Anfang September in Betrieb genommen werden.

Endlich losgehen soll es nun auch mit dem seit mehr als zehn Jahren angekündigten Anschluss des Hauptbahnhofs an das Straßenbahn-Netz. Nachdem, wie berichtet, das Oberverwaltungsgericht alle Klagen von Anwohnern und des BUND gegen den Umbau der Invalidenstraße abgewiesen hat, wird am 21. März mit dem Umbau der Invalidenstraße begonnen. Zunächst werden Strom- und Wasserleitungen neu verlegt, voraussichtlich im Mai wird dann am Nordbahnhof ein sogenanntes Wende-Dreieck für die Linien M 8, M 10 und 12 gebaut. Doch frühestens 2013 werden Straßenbahnen auch tatsächlich bis zum Hauptbahnhof fahren können.

Erneuerung von Straßenbahngleisen

Ebenfalls auf dem Bauprogramm für die Tram-Sparte stehen umfangreiche Gleiserneuerungen im Bereich Karl-Lade-Straße sowie auf der Straße Am Tierpark. Im Rahmen eines Sonderprogramms werden zudem 16 weitere Haltestellen behindertengerecht umgebaut und zehn sogenannte Z-Übergänge geschaffen, die Fußgänger dazu zwingen sollen, aufmerksamer die Gleise zu queren.

Im U-Bahn-Netz wird die Abdichtung von maroden Viadukten und Tunneln fortgesetzt. Fast 52 Millionen Euro hat die BVG allein für diese Arbeiten eingeplant. Einer der Schwerpunkte ist hierbei die Sanierung der äußeren Tunnelabdichtung im Bereich Tauentzienstraße, speziell im Abschnitt zwischen Nürnberger Straße und Europa-Center. Die Arbeiten, so verspricht BVG-Bauchef Uwe Kutscher, werden im November rechtzeitig vor Beginn des Weihnachtsmarktes abgeschlossen sein. Die Neugestaltung des Mittelstreifens sei Sache des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Die BVG werde sich anteilig mit einer halben Million Euro daran beteiligen. Fortgesetzt wird auch die Tunnelsanierung im Bereich Karl-Marx-Allee, nun an den Abschnitten zwischen den Bahnhöfen Strausberger Platz, Weberwiese und Frankfurter Tor (Linie U 5). Da die Arbeiten überwiegend unter dem Mittelstreifen erfolgen, sollen die Auswirkungen auf den Autoverkehr geringer sein als im Vorjahr.

Auch der U-Bahnhof Vinetastraße (U 2) wird einen besseren Schutz gegen Oberflächenwasser erhalten. Laut BVG konnten diese Arbeiten bei der Streckensanierung im Vorjahr nicht ausgeführt werden, weil dafür die über dem Bahnhof liegende Straße abgesperrt werden muss. "Das ging damals auf keinen Fall, weil über diese Straße auch der gesamte Schienenersatzverkehr rollte", begründete Kutscher die Verschiebung dieser Arbeiten.

Für Fahrgäste nicht sichtbar, aber dennoch elementar wichtig ist eine weitere BVG-Investition. In der Leitstelle der U-Bahn soll die Computertechnik so aufgerüstet werden, dass sich ein Komplettausfall der Stellwerkstechnik nicht wiederholen kann. Im November vorigen Jahres war fast einen Tag lang der Betrieb des gesamten U-Bahn-Netzes zusammengebrochen, weil ein kleines, aber wichtiges Computerteil seinen Dienst versagte.