Bürgerämter

Warten auf den alten Ausweis

Die Berliner Bürgerämter sind zurzeit massiv überlastet. Der Grund dafür ist die Umstellung auf den neuen Personalausweis zum 1. November. Da dieser viele neue Funktionen besitzt, müssen die Mitarbeiter der Bürgerämter geschult werden. Deshalb steht weniger Personal für andere Anliegen der Bürger bereit.

Viele Bürgerämter haben in den nächsten Wochen kaum noch freie Termine. Doch das wiederum hat nur indirekt mit den neuen Ausweisen zu tun: Viele wollen jetzt noch schnell ein altes Exemplar beantragen.

Der Grund dafür sind vor allem Sicherheitsbedenken bei Bürgern und Datenschützern. Der neue Ausweis soll mit einem elektronischen Chip und einem sechsstelligen PIN-Code ausgestattet sein. Cornelia Tausch vom Verbraucherzentrale Bundesverband sagt: "Die einfachen Lesegeräte, die leider in sehr großer Zahl von der Bundesregierung auf den Markt geschmissen werden, sind nicht sehr sicher." Diese und andere Bedenken führen dazu, dass der Andrang auf die alten Ausweise in den Bürgerämtern groß ist, während die Mitarbeiter im Umgang mit dem neuen geschult werden. "Die Leute sind misstrauisch, weil sie nicht genügend informiert sind", sagt Joachim Krüger, Bezirksstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Er beklagt, dass er den Bürgern wenige Informationen an die Hand geben könne. "Ich warte schon lange auf Informationsmaterial von der Bundesregierung."

Bedenken hat auch eine junge Architektin, die ins Bürgeramt im Rathaus Kreuzberg gekommen ist. Sie beantragt noch einen alten Ausweis obwohl ihrer noch gültig ist. "Ich halte den neuen Ausweis für zu unsicher und zu wenig erprobt", kritisiert sie. Brigitte Kriener, 52 Jahre alt und arbeitsuchend beantragt ebenfalls jetzt noch einen alten Ausweis. Sie tut das nicht, weil sie der Sicherheit des neuen misstraut: "Mir ist der neue Ausweis schlicht zu teuer." Der kostet 22,80 für Menschen unter 24, sonst 28,80 Euro. Der alte kostet acht Euro. Um nicht unnötig lange warten zu müssen, hat Brigitte Kriener einen Tag vorher im Bürgeramt angerufen. "Mir wurde gesagt, früh morgens wäre am wenigsten los. Jetzt sind aber trotzdem über 20 Leute vor mir an der Reihe."

Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wurden Außenstellen des Bürgeramts zeitweise geschlossen. "Das liegt daran, dass wir ein Citybezirk sind", sagt Stadtrat Joachim Krüger (CDU). Alle Mitarbeiter des Bürgeramts werden geschult, damit sie mit den vielen Veränderungen beim Personalausweis umgehen können. "Wir bekommen neue Geräte und die Arbeit mit der Chipkarte will ebenfalls gelernt sein", sagt Krüger. Die Mitarbeiter lernen jetzt erst einmal theoretisch, wie sie einen neuen Ausweis erstellen müssen. "Praktisch werden die Sachbearbeiter erst ab dem 29. Oktober das Programm für das Ausstellen eines neuen Personalausweises kennenlernen", sagt der CDU-Stadtrat. Er schließt deshalb nicht aus, dass es ab November nochmals zu längeren Wartezeiten kommt, wenn die Mitarbeiter mit der Software nicht klarkommen sollten.

Außerdem nimmt das Ausstellen des neuen Ausweises deutlich mehr Zeit in Anspruch. Die Bearbeitungszeit wird statt rund zehn Minuten künftig 20 Minuten bis eine halbe Stunde dauern, schätzen die Mitarbeiter in den Bezirksämtern.

Doch die Einführung des Personalausweises ist nicht das einzige Problem. Bezirksstadtrat Krüger beklagt außerdem einen hohen Krankheitsstand bei den Mitarbeitern. "Ich habe bei der Senatsverwaltung mehr Personal beantragt, aber bisher noch nicht bekommen. Ich hoffe, bis Weihnachten mehr Personal zu haben", sagt der CDU-Politiker. Die Folge seien lange Wartezeiten, aber auch die Schließung von Außenstellen. So bleiben die zwei Bürgerämter an der Cunostraße und am Halemweg bis Jahresende geschlossen. Die Sachbearbeiter werden zur Unterstützung der zentral gelegenen Ämter am Hohenzollerndamm und der Heerstraße eingesetzt. Zudem entfällt in allen Bürgerämtern in Charlottenburg-Wilmersdorf vorerst die Sprechstunde am Sonnabend. Und schließlich macht die Ausweiseinführung technische Umstellungen erforderlich. In den Bürgerämtern muss das Computerprogramm für melderechtliche Angelegenheiten kurzzeitig abgeschaltet werden. Deshalb schließen sowohl in Charlottenburg-Wilmersdorf als auch in Friedrichshain-Kreuzberg die Bürgerämter am kommenden Freitag bereits am frühen Vormittag.

Um den langen Wartezeiten in Charlottenburg-Wilmersdorf zu entgehen, empfiehlt Stadtrat Krüger den Bürgern, auf die Ämter anderer Bezirke auszuweichen. Denn zum Beispiel die Bürgerämter Neukölln sind vom Andrang verschont geblieben. "Es gibt keine signifikanten Mehrbestellungen des alten Ausweises", sagt der Neuköllner Stadtratsreferent Norbert Kock. Darüber hinaus sei es äußerst hilfreich, vor dem Gang zum Bürgeramt einen festen Termin zu vereinbaren, sagt Stadtrat Krüger. Wie lange sich die Berliner noch gedulden müssen, bleibt offen.