Bildungspolitik

Zöllner stoppt Schnellläufer-Gymnasien

Am Friedrichshainer Dathe-Gymnasium herrschte gestern Abend große Aufregung. Die Zukunft dieses Schnellläufer-Gymnasiums ist ungewiss.

Das gilt auch für sechs weitere der 13 Berliner Schnellläufergymnasien. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat diesen Schulen, die ab der vierten Klasse Spezialklassen für Hochbegabte anbieten, gestern nahe gelegt, dieses Konzept aufzugeben.

Wie Mario Gallon, Gesamtelternvertreter der Dathe-Oberschule berichtete, hat Zöllner verkündet, dass Schnellläufer-Gymnasien künftig nur noch Schüler aufnehmen dürfen, die im Aufnahmeverfahren, einem Intelligenz-Test, gekoppelt mit der Auswertung der Grundschulnoten, mindestens 10 Punkte erreichen. Da einige der 13 betroffenen Gymnasien, darunter auch die Dathe-Schule, nicht genügend solcher Schüler zusammenbekommen würden, sollten sie deshalb künftig auf die Begabtenförderung verzichten.

"Mit dieser Reglung verbauen wir Schülern aus sozial schwachen Familien, die durchaus begabt sind, von ihren Eltern aber nicht so unterstützt werden wie Schüler in anderen Regionen, eine große Chance", sagte Gallon. Hinzu käme, dass etliche in Frage kommende Schüler von ihren Eltern erst gar nicht angemeldet würden. "Das Dathe-Gymnasium wird deshalb um sein Konzept zur Förderung hochbegabter Schüler kämpfen", kündigte Gallon an.

Der Elternvertreter forderte, dass die Reglung, ein Schüler müsse im Aufnahmeverfahren mindestens 10 Punkte erreichen, nur für Gymnasien in sozial starken Bezirken gelten solle. "In Bezirken mit einem großen Anteil von Kindern aus sozial schwachen Familien muss es den Schnellläufer-Gymnasien auch weiterhin möglich sein, Schüler mit weniger als 10 Punkten aufzunehmen", sagte er.

Laut Gallon hat Bildungssenator Zöllner den sieben Gymnasien immerhin zugesagt, dass sie grundständig bleiben und Schüler nach der vierten Klasse aufnehmen dürfen, wenn sie sich ein geeignetes Profil auswählen. "Das ist für die Dathe-Schule aber keine Option", sagte der Elternsprecher. Im nahen Umkreis gebe es verschiedene Spezial-Gymnasien mit naturwissenschaftlichem oder musischem Profil. In Frage käme nur ein bilinguales Profil. Dafür fehlten der Schule aber die notwendigen Fachlehrer. "Unsere Schulleiterin wird deshalb heute erneut mit Vertretern der Bildungsverwaltung sprechen und unser bisheriges Konzept verteidigen", sagte Mario Gallon. Die Elternschaft würde die Rektorin dabei voll und ganz unterstützen.

Während die Zukunft der Dathe-Schule sowie die von sechs Schnellläufer-Gymnasien noch ungewiss ist, steht eines längst fest: Die Schnellläufer-Gymnasien, egal ob 13 oder nur noch sechs, müssen in so genannte Schnelllerner-Gymnasien umgewandelt werden. Hintergrund ist die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre. Nach dem derzeitigen Konzept würden die Schnellläufer dann bereits nach elf Jahren das Abitur machen, denn die Schüler überspringen gemeinsam die achte Klasse. Die Schnellläufer-Gymnasien hatten beantragt, das Konzept für die begabten Schüler zu ändern. Sie sollen zwar immer noch schneller lernen, die achte Klasse aber nicht mehr überspringen und die so gewonnene Zeit für Zusatzangebote nutzen.

Die Zeit drängt. Gymnasien mit Hochbegabtenförderung haben eine vorgezogene Anmeldefrist. Bereits im November laufen die Informationsgespräche für interessierte Eltern, denn die Bewerber für die Spezialklassen müssen ein Aufnahmeverfahren absolvieren. Der genaue Termin für die Anmeldung soll gemeinsam mit dem neuen Konzept für die Schnelllerner von der Bildungsverwaltung in der kommenden Woche veröffentlicht werden.