Städtestudie

"In Berlin spielt künftig die Musik"

Berlin hat in einem bundesweiten Städtevergleich einen großen Schritt nach vorn gemacht: In einer Studie der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit der 30 größten deutschen Städte kletterte Berlin von Platz 24 auf Platz 8, wie das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) gestern mitteilte.

Seit 2005 sind demnach in Berlin 123 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, so viel wie in keiner anderen deutschen Stadt. "Der Wachstumsmotor der Hauptstadt ist angesprungen, die Standortvorteile Internationalität, Bildung und Erreichbarkeit haben sich seit dem Vergleich 2008 weiter verbessert und kommen zum Tragen", sagte HWWI- Direktor Thomas Straubhaar. Zuvor hatte schon die Initiative Soziale Marktwirtschaft und das Betriebspanel 2009, in dem Unternehmen die Situation beschreiben, Berlin eine besondere Dynamik in der wirtschaftlichen Entwicklung attestiert.

"In Berlin spielt künftig die Musik", sagte die Autorin der HWWI-Studie, Silvia Stiller, der Berliner Morgenpost. Die deutsche Hauptstadt hole auch im Vergleich mit europäischen Metropolen auf. "In anderen Ländern sind die Hauptstädte blühende Zentren. Berlin ist jetzt auf dem Weg, auf dem eine Hauptstadt sein sollte." Die Studienleiterin hob besonders die Internationalität sowie den Stand bei Bildung und Forschung hervor. Danach machten in Berlin 43,8 Prozent der Schüler Abitur. Nur in Bonn (46), Dresden (45,8) und Hamburg (44,1) schafften 2009 mehr Schüler die Hochschulreife. Bei der Internationalität spielten Faktoren wie der Anteil ausländischer Studierender, ausländischer Beschäftigter und die Übernachtungszahl ausländischer Gäste eine Rolle. Auch bei diesen Werten schnitt Berlin überdurchschnittlich ab. So lag der Anteil von Studenten aus dem Ausland bei 16 Prozent. Nur in Bremen (18,4), Frankfurt/Main (18,3) und Düsseldorf (16,5) studierten mehr junge Menschen. Im zunehmenden Wettbewerb um hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland spielt die Attraktivität der Bildungssysteme eine große Rolle, weil dadurch potenzielle Arbeitskräfte gewonnen werden können. "Dies wird anhand der Internationalität der Hochschulen beurteilt", heißt es in der Studie weiter. "Berlin ist besonders für kreative Menschen attraktiv geworden", beschrieb Studienleiterin Stiller den Trend der vergangenen Jahre.

Bei den Übernachtungszahlen lag Berlin mit 2,1 Übernachtungen von Ausländern pro Einwohner hinter der Messestadt Frankfurt (3,8), München (3,5) und Düsseldorf (3,5). Entscheidend war hier die Berechnung pro Einwohner. Nach der Gesamtzahl der Besucher liegt Berlin mit Abstand vor allen anderen deutschen Städten.

Im Gesamtergebnis des Städterankings in Deutschland haben wie vor zwei Jahren Frankfurt und München die Spitzenpositionen inne, dann kommen Düsseldorf, Bonn und Köln. Stuttgart ist von Platz 3 auf Platz 16 abgerutscht. Auf den hinteren Rängen finden sich Wuppertal, Bochum und als Tabellenletzter Chemnitz (siehe Grafik). Die Studie ist wichtig, weil in den 30 größten Städten rund ein Drittel der deutschen Dienstleistungen und Güter produziert wird. "Städte entscheiden über den Erfolg ganzer Volkswirtschaften", sagte Straubhaar. "Arbeitnehmer finden hier berufliche Chancen, Firmen qualifizierte Fachkräfte."

Um Erfolg zu haben, müssten Städte offen sein für neue Ideen und so Talente anziehen, die Technologie und Fortschritt bringen. Wie die Studienleiterin sagte, spielten bei der Erstellung der Studie Faktoren wie niedrige Mieten, Kultur oder Lebensqualität keine Rolle.

Am einfachsten lasse sich der Erfolg einer Stadt daran ablesen, ob sie junge Menschen gewinne oder verliere. Daran gemessen seien die Millionenmetropolen München, Berlin und Hamburg besonders erfolgreich, aber auch Dresden und Leipzig. Eher bergab gehe es dagegen in Duisburg, Wuppertal und Gelsenkirchen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte zur Studie: "Besonders erfreulich für Berlin ist dabei, dass unsere Stadt in den zwei Jahren seit 2008 einen großen Qualitätssprung gemacht hat." Berlin habe die Wirtschaftsförderung effizienter organisiert und in die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft investiert. "Das zahlt sich jetzt aus", sagte Wowereit. Er nutzte die Studie schon für den Wahlkampf: "Die Entwicklung geht jetzt in die richtige Richtung, aber wir müssen dafür sorgen, dass sie sich stabilisiert und dass unsere Politik weiter Früchte trägt. Das ist die zentrale wirtschafts- und wissenschaftspolitische Aufgabe der nächsten fünf Jahre."