Nahverkehr

Senat schiebt Entscheidung zur S-Bahn hinaus

Die Berliner Landesregierung will sich weiterhin nicht darauf festlegen, wie der Betrieb der Berliner S-Bahn künftig gestaltet wird. Der Senat halte sich die Vergabeoption offen, sagte Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Die derzeitigen Verhandlungen mit der Bahn, wie die S-Bahn-Krise gelöst werden kann, seien noch keine Entscheidung darüber, an wen der Auftrag künftig vergeben werde. Der geltende Verkehrsvertrag mit der S-Bahn Berlin GmbH, einer Tochter der Deutschen Bahn, läuft noch bis Ende 2017.

Die Verkehrssenatorin kritisierte zugleich Weigerung der S-Bahn, trotz einer entsprechenden Aufforderung durch die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg den Winterfahrplan zu korrigieren. "S-Bahn-Chef Buchner hat zu meiner größten Überraschung jetzt eingeräumt, dass der neue Fahrplan doch mit heißerer Nadel gestrickt wurde als bekannt war", sagte sie. Vor allem bei den Anschlüssen etwa in Buch oder Ahrensfelde gebe es massive Probleme. "Da muss mit Hochdruck an einer Nachbesserung gearbeitet werden." Bis Mitte Februar müsse es eine Lösung geben, so die Senatorin.

Die Berliner S-Bahn hatte zuvor erklärt, dass der seit Montag geltende "Winterfahrplan" die Erwartungen an die Zuverlässigkeit des Betriebs erfüllt habe. Der Fahrplan - der auf einer verringerten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h basiert - werde zu 98 Prozent eingehalten. Daher gebe es keinen Grund für kurzfristige Änderungen. Lediglich "ein in Potsdam erkanntes Defizit im Nachtverkehr" werde bereits am Wochenende korrigiert. Die S-Bahn habe zusätzlich Busse bestellt, damit die Fahrgäste, die nachts um 2.06 oder 4.06 Uhr in Potsdam ankommen, trotz verpasster Anschüsse weiterfahren könnten. "Wir sind uns bewusst, dass es an einzelnen Umsteigepunkten zu verlängerten Übergangszeiten kommt", so S-Bahn-Chef Peter Buchner. Die Mehrzahl der Kunden habe sich aber auf das veränderte Angebot eingestellt. Wer sicher gehen will, dass er seinen Anschluss nicht verpasst, sollte doch einen Zug eher losfahren, empfiehlt die S-Bahn ihren Kunden.

Heute will die Bahn-Tochter Details ihres angekündigten "Entschuldigungspakets" vorstellen. Medienberichten zufolge soll es für Stammkunden nur einen Monat Freifahrt geben. Zudem sollen Einzelfahrscheine an mehreren Wochenenden wieder den ganzen Tag über gelten. Verkehrssenatorin Junge-Reyer sagte indes vor dem Landesparlament, dass es für die Nahverkehrskunden eine Entschädigung wie Ende 2010 geben müsse. Im Vorjahr hatte die S-Bahn noch zwei Freifahrt-Monate finanziert.